Es gibt keine Probleme, nicht einmal Herausforderungen.
Ein Problem entsteht nur durch einen Soll-Ist-Abgleich. Strebe ich nach nichts, will ich nicht etwas loswerden oder akzeptiere ich vollständig was ist, habe ich nie ein Problem. Mit gar nichts.
Das ist einer der Kerne des Buddhismus (vier edlen Wahrheiten). Die Aussage ist krass. Sie fordert jede Weltanschauung, jede Religion, jede Philosophie, jede Form der Psychologie heraus.
Leid entsteht nur:
- Weil ich etwas will (Begierde/Gier)
- Weil ich etwas nicht will (Aggression)
- Weil ich etwas nicht akzeptiere (Ignoranz)
Leiden ist in gewisser Weise freiwillig. Doch Leid ist normal, weil wir biologische Wesen sind.
Allein unsere Überlebensmechanismen erzeugen Leid:
- Der Körper will möglichst gesund, gut genährt, geschützt, so lange leben wie irgend möglich.
- Eine große Hilfe dabei ist soziale Eingebundenheit, Akzeptanz, gebraucht werden usw. Das erzeugt Reibung mit anderen.
- Der Geist braucht Anregung, sonst verkümmert er, wird depressiv. Körper und Geist werden sonst schwach, dann krank und sterben.
Unser Körper hält uns auf Trab
Er will Sicherheit. Immer mehr Sicherheit. Denn der bekannte Sicherheitsstandard wird schnell zur Gewohnheit. Der Körper gibt uns das Signal, mehr Sicherheit sei nötig. Wir fühlen uns wieder unsicher. Wir haben Angst. Wir entwickeln neue Ziele und Pläne. In dieser Dynamik hört das niemals auf. Kann es gar nicht. Nur der Tod erlöst den Körper vom Streben.
Wir suchen uns ein Soll, um gesund und lebensfroh zu bleiben
Wir wollen „etwas aus uns machen“ und erlauben uns Ziele, Visionen, Missionen, Sinn, Stolz, Neid, Gier, selbstherrliche Macht, üble Nachrede usw. Dann rührt sich was. Bei Erfolg fühlen wir uns sicherer: Wir haben etwas geschaffen, was uns „niemand mehr nehmen kann“. Hoffentlich erreichen wir dadurch eine Lebensfreude, die aus uns selbst entspringt. Die keine Verlierer braucht. Brauchen wir ein Überlegenheitsgefühl, ist es keine echte Lebensfreude. Eher Schadenfreude, die ohne die Unterlegenheit anderer nicht existieren kann. Der Überlegene ist so vom Unterlegenen abhängig. Er definiert sich nicht aus sich selbst heraus, sondern nur im Vergleich zum anderen. Lebensfreude entsteht so niemals. Nur innere Leere.
Suchen wir uns Probleme, bleiben wir gesund und lebensfroh
Das sorglose und sichere Leben ist eine Illusion. Das letzte Hemd hat keine Taschen. An der Himmelspforte wird nicht nach Titeln gefragt. Je mehr Sicherheit und Sorglosigkeit wir anstreben, desto weniger sicher und sorglos werden wir. Desto weniger Zeit unseres Daseins verbringen wir im Sein. Die Seele wird nur satt und froh, je mehr Zeit des Daseins sie im Sein verbringt. Wann, wie oft bin ich im Sein? Das Sein braucht nichts. Nicht einmal Probleme. Im Sein ist alles erfüllt.
Sicherheit in Unsicherheit und Lebensfreude in Sorgen.
Wir eliminieren Ignoranz
Erkennen wir an, allein aufgrund unserer körperlichen und mentalen Bedürfnisse ist Leid nötig, akzeptieren wir Leid. Leid wird zur unausweichlichen Bedingung für Leben.
Wir lösen Aggression auf
Erkennen wir an: allein weil Leid körperlich nötig ist, werden wir vieles ablehnen müssen. Dazu ist auch Aggression ein Mittel. In welcher Form wir Aggression ausüben ist damit nicht gesagt. Die eingesetzte Energie ist entscheidender als die Handlung selbst.
Wir begehren, um zu leben
Das Sein (Seele) braucht kein Begehren, kein Ablehnen, kein Ignorieren. Körper und Geist schon. Aggression ist nötig, Leid wird akzeptiert, Streben wird zum selbstgewählten Leid.
Was wir selbst wählen, ist weniger schlimm. Es wird zur Übersetzung für Lebensfreude.
Traue ich mir, dies zu leben?
Traue ich mir, mich dem Leben anzuvertrauen?
Traue ich mir?