Fahrradfahren ist Faszination. Es schont und fordert zugleich. Mit Leichtigkeit lassen sich große Distanzen zurücklegen. Die gleichförmige Bewegung stellt einen inneren Gleichklang her. Wir fahren weit weg und kommen ganz nah zu uns selbst. Besonders, wenn wir solo unterwegs sind. Durch die körperliche Belastung schaffen wir Zugang zu unserem Unbewussten und finden Lösungen für unsere Herausforderungen.
Körperliche Anstrengung wandelt innere Spannungen zu Wertvollem
Körper
- Muskelaufbau und -umbau zu erhöhter Leistungsfähigkeit
- Fettverbrennung und aktivere, elastischere Energiebereitstellung
- Stärkung von Sehnen, Bändern, Gelenken, Knochen
- Durchblutung und Sauerstoffversorgung
- Organentwicklung zum Umgang mit den erhöhten Leistungs- und Regenerationsanforderungen
- aktive vielfältige Regenerations-, Reinigungs- und Reparaturprozesse im Körper
- Stärkung des Immunsystems
- Kennenlernen und Berücksichtigen des Körpers mit seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen
Geist
- Ausgiebige Bewegung lässt uns ganz bei uns selbst sein und gleichzeitig Abstand zu uns finden
- Innere Distanz von Umständen, Ereignissen, Konflikten, Entscheidungen
- Allein die ausgiebige Bewegung selbst ist häufig ein deutlicher Kontrast zu unserem üblichen bewegungsarmem und von Komfort geprägtem Alltag. Kontraste machen kreativ, agil und flexibel.
- Durch gleichförmige Bewegungen entsteht ein Zugang zum Unbewussten und kreative Prozesse kommen in Gang
- Selbst erzeugtes Unterwegssein entwickelt Autonomie, Individuation und Selbsterleben
- Wir erreichen innere Gewissheit, die sich in Gelassenheit zeigt.
Regelmäßig Sport erschafft ein gesünderes psychisches Profil:
- Denken und Einstellungen meist flexibler
- Größere Unabhängigkeit
- Gefestigtes Selbstbild
- Größere Selbstakzeptanz
- Größere Selbstkonzeptklarheit
- Weniger Suche von Schuld bei anderen
- Weniger Depressionen
- Verlangt Disziplin in Tagesgestaltung: erzeugt Gefühl der Kontrolle = bejahende Einstellung
Komme in dein Gefühl, komme bei dir selbst an
Egal wie gut dein Material, dein Trainingsplan und deine Ernährung auch sind. Wirklich „in Tritt“ wirst du nur kommen, wenn du mit dir selbst fährst. Wenn du ein Gefühl für dein Gefühl entwickelst. Wenn du entdeckst, was in dir steckt. Wenn du die Topographie, die Kurven und Rhythmen der Strecke, deines Körpers und deines Geistes lesen lernst. Der Gleichklang der Bewegung über lange Zeit, das Gleiten durch die Landschaft, das Gefordertsein im Anstieg, die hohe Konzentration in Abfahrten, die Regulation der Bedürfnisse Essen, Trinken, Toilette, Pause, verweilen an schönen Orten ist pure Körperlichkeit. Sie erdet uns und bringt unsere inneren Anteile in Gleichklang. Wir erleben Nähe und Einheit mit uns selbst. Fahre deshalb auch immer wieder ohne Tacho oder Navi. Distanzen, Durchschnittsgeschwindigkeit oder Wattzahlen halten dich zuverlässig von deinem Gefühl für dich selbst ab.
Meditation ähnlicher Zustand gibt uns Zugang zum Unbewussten
Der rhythmische Gleichklang der Bewegung lässt uns zeitweise in einen Zustand kommen, der uns vom Dösen, vom Einschlafen und Aufwachen, von Meditation und Hypnose bekannt ist. Vor allem Radwege fernab von Straßen durch die Natur begünstigen dies sehr. Dabei stellen wir Kontakt zum Unbewussten her und unbewusste Anteile dringen ins Bewusstsein. Plötzlich fällt uns etwas ein, plötzlich haben wir eine Idee, plötzlich sehen wir Dinge anders, plötzlich fühlen wir anders, sehen anders, werden ruhig und zuversichtlich.
Innere Konflikte klären sich
Die äußere gleichförmige Bewegung erzeugt die innere Einheit. Schicht um Schicht gelangen wir tiefer zu uns selbst, vereinen wieder Körper, Geist und Seele zu ihrem natürlichen Zustand. Stress, Druck, Erwartungen, Sorgen, Nöte, Ängste und Konflikte können uns aus dieser Einheit bringen. Wir werden unausgeglichen, übellaunig, gereizt, sorgenvoll, wütend, frustriert, einsam, depressiv und dann krank. Ganz im körperlichen Erleben, ganz nahe bei uns selbst, in der Einheit mit uns selbst, gelangen wir in Kontakt mit der Welt. Denn irgendwann ist die längste Radtour vorbei. Wir sind in unserem Alltag zurück, der sich in unserer Abwesenheit nicht verändert hat. Wir haben die gleichen Umstände, die uns Stress, Druck, Erwartungen, Sorgen, Nöte, Ängste und Konflikte bescheren. Wir können diesen Dingen nicht wegfahren. Doch wir haben zu uns gefunden und konnten deshalb aus unserer Tiefe schöpfen, in unsere Kraft und Gefühl kommen und Lösungsansätze entwickeln. Selbstvertrauen finden. Die Energie für notwendige Weichenstellungen finden.
Materialschlacht lenkt vom Eigentlichen ab
Übers Material, Ausrüstung, Trainingspläne und optimale Ernährung lässt sich vorzüglich, endlos und unerschöpflich informieren und austauschen. Je mehr wir in diese Themen eintauchen, umso mehr stellen wir fest, wie viel Zeug es gibt und wie wenig wir wissen. Und täglich gibt es neues Material und Wissen. Sisyphos ist Patenonkel für diesen Themenkreis. Ich behaupte, selbst wenn wir das beste Material, die besten Pläne, die beste Ernährung haben, ist das keine Garantie dafür wirklich in die Freude und den Flow der Bewegung und des Unterwegsseins mit uns selbst zu kommen. Wirklich die Faszination, die Geschmeidigkeit, die Freiheit, die Ruhe und innewohnende Energie und Dynamik des Fahrradfahrens zu schmecken. Tatsächlich lenkt es uns davon ab.
Idealerweise setzen wir uns vor und nach der Tour mit unserem Material adäquat, jedoch nicht exzessiv auseinander, haben alles voll funktionstüchtig parat und vergessen dann für die Dauer der Tour den ganzen Kram. Sind einfach nur unterwegs. Genießen uns im Gleiten durch äußere und innere Landschaften.
Versteigen wir uns äußerst intensiv in Material und Co. ist das eher ein Hinweis für Ablenkung und Ausweichen vor uns selbst, unseren tiefen Gedanken und Gefühlen, unserem Kontakt mit uns selbst. Wie einfach ist es, durchs Land zu rauschen und gedanklich alle möglichen materialtechnischen Überlegungen anzustellen. Für Gefühl und Seele verlorene Kilometer. Nach der Tour wachen wir auf und stellen fest, wir waren gar nicht bei uns, sondern haben uns in materiellen Welten verloren.
Wer liebt nicht ein voll funktionstüchtiges, weil gut gewartetes Rad und Material!? Das allein macht schon Freude, weil es so einfach flutscht und echte Geschmeidigkeit im Unterwegssein nur so möglich wird. Zudem reduziert es nervige Pannen oder technische Beschäftigungen unterwegs auf das geringst mögliche Maß. Ich meine, es ist wichtig, sein Rad selbst zu reinigen und zu warten. Nur so lernen wir unseren Drahtesel technisch kennen und können uns unterwegs schnell und einfach selbst helfen. Das fördert auch das Freiheitsgefühl ungemein. Die Technik eines Fahrrades ist auf der Anwendungsebene einfach zu verstehen und in Schuss zu halten. In technische Tiefen abzutauchen ist möglich, sollte aber nur gemacht werden, wenn man wirklich Freude daran und ein Händchen dafür hat. Da sind Fachleute meist einfach deutlich besser.
Viel Freude, tiefes Erleben und gute Gedanken in vielen tollen Stunden auf dem Rad!