Draußen-Wiki: Der „Biwi“ (Biwaksack)

Heute stelle ich einen Ausrüstungsgegenstand vor, den ich einfach sagenhaft toll finde. Er ist so vielseitig wie ein Schweizer Messer und meist auch so rot. Wenn man es versteht ihn richtig einzusetzen ein absolutes Multitalent mit der Fähigkeit unvergessliche Stunden zu bescheren.

Der Biwaksack.
Für Eingefleischte: der Biwi.

Wer kennt sie nicht, diese Menschentüte. Wasser- und luftdicht (außer man hat eines dieser teuren Atmungs-Membrandinger, die außerdem noch schön leicht sind) verheißt sie Lagerersatz mit jeglich Komfort und Luxus. Verschweigt getrost seine Tödlichkeit dank Auskühlung durch Kältebrücke und ebenso endlosen sanften Einschlaf dank Überdosis CO2 (Achtung!!! Biwi niemals ganz schließen wenn der Kopf drinnen ist!!!)

Doch Spaß bei Seite. Der Biwi ist voll der Erlebnis-Bringer.
Doch ganz wirklich.
Ich empfehle jedem der sich in der großen Natur (meine Bezeichnung für einen weiten, zusammenhängenden Naturraum ohne nennenswert erkennbaren menschlichen Eingriff) aufhält immer einen solchen Biwi mit sich zu führen.
Er ist absolut nicht nur für Notfälle gut. Doch greife ich diesen Punkt gleich vorweg auf: der Biwi ist eine viel bessere Rettungsdecke. Damit ist seine Notfallfunktion auch schon so gut wie erschöpfend erklärt.
Man kann also damit auf sich aufmerksam machen = herumwedeln.
Man kann jemanden oder sich damit zudecken, darauf legen oder hineinpacken.
Man kann jemanden damit transportieren, also drauflegen und schleifen, auf die verschiedenste Art tragen.
Der Biwi ist eine schlaue Erfindung (von Mathias Zdarsky) und hat schon so manches Leben gerettet, so manche Situation etwas weniger schlimm und beschwerlich gemacht.
Wenn man kreativ ist, fällt einem sicher noch mehr Verwendbarkeit im Notfall ein.

Der Biwi kann mehr!

Er ist, wie schon erwähnt, ein richtiger Erlebnis-Bringer.
Mit ihm kann man:
– sich hineinkuscheln bevor es einem bei einer Pause zu kalt wird und so die Pause viel länger genießen
– als wasserdichte Unterlage verwenden
– als zuverlässigen Regenschutz stationär oder im Marsch verwenden
– als Sonnen- oder Windschutz aufspannen
– Wasser holen
– zusammengefaltet als Sitzkissen oder Kopfkissen verwenden
usw.

Mit ihm hält man es also viel länger draußen aus, muss nicht gleich weiter, weil einem bei einer Pause schnell kalt wird, kann einen Regenschauer trocken aussitzen, kann den Sonnenuntergang noch genießen, kann wenn man lustig ist auch spontan die Nacht draußen verbringen.

Und dieser letzte Punkt hat´s in sich!

Hier zeigt der Biwi so richtig was er kann. Aber Vorsicht, der Biwi ist kein Alleskönner. Er ist kein Schlafsackersatz. Der Biwi hält Wind und Feuchtigkeit ab und reflektiert durch seine versilberte Innenseite Körperwärme besser als eine Plastiktüte. Mehr kann er nicht. Er selbst ist weder bequem, gegen Kälte isolierend oder Wärme speichernd wie ein guter Schlafsack.
Deshalb ist sein Einsatzbereich begrenzt wenn man ihn solo verwendet. Zu einem echten Erlebnis-Bringer kann er werden, wenn man noch ein paar Dinge zusätzlich mitnimmt. Die alle für sich schon sehr sinnige Begleiter draußen sind und in Kombination sogar eine nicht allzu frostige spontane Nacht draußen ermöglichen.

Lange Hose, wasser- und winddichte Jacke, dünner Fleece-Pullover, Wechselhemd und Kopfbedeckung sind bei einer schlichten Sommertour in den Bergen ohnehin dabei.
Ist man sich sicher, dass es nicht regnet und man hat seinen Biwi dabei, kann man sich die Jacke auch sparen.

So, nun erweitern wir die Ausrüstung für ein passables Nachtlager:
– lange Unterhose (ja, die wärmt, im Gegensatz zu einer Regenhose, deren Funktion der Biwi im Sitzen ohnehin übernimmt)
– frische Socken (kalte Füße sind der Killer. Warme Füße die Basis für´s Wohlfühlen)
– Mütze (bis zu 50% der Körperwärme verliert man über den Kopf! Das hauchdünne Kopfteil des Biwi wärmt nicht!)
– Handschuhe (kann man sich auch sparen, wenn man im Pullover Taschen hat)
langarm Unterhemd
– einen weiteren dünnen Fleece-Pullover oder Fleece-Weste
– Thermoskanne mit heißem Tee (unglaublich gut! Tip: Tee oder Fruchtsaft furchtbar heiß mitnehmen. Man kann ihn am Berg mit Wasser oder Schnee strecken, so hat man mehr und länger etwas davon)
– eine gute Brotzeit
– Taschenlampe (im Notfall Nachts guter Signalgeber)
– Isomatte dünn zum draufsetzen (Will man sich hinlegen, verlängert man um den umgedrehten, leeren Rucksack)

Wer es noch kuschliger mag, der kann zusätzlich einen dünnen Sommerschlafsack (Komfortbereich bis 5°C) nehmen. Von einem Fleece-Schlafsack rate ich ab, da kann man gleich eine dickere lange Unterhose, einen dickeren Pullover und noch ein dickes Paar Socken nehmen.

Noch ein Tipp
Unbedingt Kondenswasserbildung vermeiden. Denn Feuchtigkeit leitet Wärme und macht es im Biwi schnell ungemütlich. Also gut lüften oder gut schließen um den notwendigen Gasdruck bei Tex-Membranen zu erzeugen – je nach Membran.

Man sieht, so wirklich viel braucht es gar nicht. Auf einer längeren Herbsttour hat man auch nicht weniger dabei, bis auf die Isomatte vielleicht. Die gesamte Ausrüstung passt also locker in einen gewöhnlichen Tagesrucksack von 20 bis 30 Liter.

Mir ist Folgendes wichtig zu erwähnen:
Es ist nicht überall erlaubt die Nacht draußen zu verbringen.
Auch bin ich der Meinung, man soll die fantastische Möglichkeit des echten Biwakierens nicht als Freischein für Partys missbrauchen.
Es ist ja gerade das faszinierende stille Beobachten und Genießen allein oder zu zweit, was eine unvergessliche Biwaknackt ausmacht.
Ein respektvoller Umgang mit der Natur verbietet es an den allermeisten Orten Feuer zu machen – auch ohne Verbotsschilder.

Mein Credo, das ich allen sehr empfehle und mit dem ich trotz unzähliger Draußen-Nächte noch nie schlechte Erfahrung gemacht habe: bis auf ein Bisschen platt gedrücktes Gras erkennt man nicht, dass ich hier war. Es gibt keinerlei Reste.
Und Gras drücke ich schließlich auch platt, wenn ich für eine halbe Stunde Pause mache.

 

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Alles Gute!

Ihr

Jörg Romstötter 

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Den nächsten Blog-Beitrag gibt es – wie immer – nächsten Donnerstag.

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