Traum-Zukunft: Die Frage ist nicht, was wir tun sollten, sondern was wir uns von uns selbst wünschen

Allzu gerne erträumen wir uns die schönste Zukunft: „Hach, wäre es schön, wenn ich …, dann würde ich…!”
Angesichts näheren Nachdenkens erkennen wir bald die dafür zu meisternden Hürden: „Doch da muss ich ja erst… und dann… .”
Als der Mühen Lohn erscheint uns unsere Traum-Zukunft prompt als zu wenig: „Das ist mir alles viel zu anstrengend.”
Und wir kuscheln uns selbstgefällig in unsere Komfortzone: „So ist es ja auch ok. Alles kann man nicht haben im Leben… . Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach… .” usw. usw. usw.
Irgendwie abgefüttert und doch mit dem Gefühl, mal wieder an uns selbst gescheitert zu sein, schieben wir unsere Träume bei Seite und stürzen uns – ärgerlich über uns selbst, für die in Zukunftsfantasien verträumte Zeit – wieder in die Routinen des Alltags: „Wer nachdenkt, verliert.”

Die Frage ist nicht, was wir tun sollten, sondern was wir uns von uns selbst wünschen.

Wer reflektiert, gewinnt: sich selbst

Unser Tun dient in jedem Moment einer ganzen Reihe von Zielen. Völlig gleichgültig, ob wir dieses Ziel buchstäblich vor unserem inneren Auge sehen und unsere einzelnen Handgriffe diesem entsprechend ausführen oder ob wir gedankenverloren vor uns hin werkeln. Deshalb ist es nicht sonderlich erheblich, ob wir uns etwas einbläuen oder nicht. Wollen wir jedoch Ziele erreichen, die unsere Traum-Zukunft formen, ist es entscheidend, dass diese Ziele auch tatsächlich aus unserem tiefsten Inneren kommen. Sie also der pure Ausdruck unseres Wesens, unseres Selbst sind. Für sich selbst stimmige Ziele zu erreichen, ist kontinuierliche innere Arbeit. Das äußere Vollbringen ist der logisch konsequente Synchrontänzer.

Ein Beispiel: Äußerst viel Geld anzuhäufen ist keine absonderliche Kunst. Es gibt viele legale und illegale Wege dafür. Doch jeder, der sich diesem Ziel verschreibt, muss schlicht und einfach Lust dazu haben, seine Lebenszeit für das dafür erforderliche Tun einzusetzen. Zuzüglich aller Risiken für seine seelische Freiheit, also Gesundheit, Sozialleben, vielleicht sogar Schicksalsschläge oder „Unfälle” die einem „Freunde” angedeihen lassen. Nicht jeder will das.

Der Pferdefuss des Nachmachens

Was wir tun sollten oder müssten, erwächst immer aus von anderen übernommenen Glaubenssätzen: Wir sind noch nicht gut genug, um unseren ersehnten Erfolg zu haben. Doch dabei mißachten wir die in uns bereits vorhandenen Fähigkeiten, um Ziele zu erreichen. Schließlich sind wir bis hier her auch gekommen. Und dabei haben wir wahrscheinlich festgestellt: wenn wir es auf unsere Weise machen, kommt auch etwas dabei heraus, das richtig gut zu uns passt. „Da war ich ganz ich selbst.” Na, bitte. Das ist doch ein ganz anderes Gefühl, mit sich selbst im Reinen zu sein, als wenn wir ein wunder-wie-toll-funktionierendes „System” von jemand anderem kopieren. Das mag durchaus „gute Zahlen liefern”, doch lernen wir dabei nicht, wie wir selbst für uns rundum stimmig unseren Weg gehen. Wir bleiben abhängig von anderen und jagen immer neuen Zielen nach, ohne je tiefe Befriedigung erlangen zu können. Nur am Tag Null hält uns keiner der Systemanbieter die Hand. Das tun wir – hoffentlich! – mit schmunzelnd-liebenden Herzen selbst und uns liebende Menschen.

Die Frage ist nicht, was wir tun sollten, sondern was wir uns von uns selbst wünschen.

Zukunftskonformes Verhalten unterstützt zielgerichtetes Tun

Vorausgesetzt, wir haben Ziele, die wir entsprechend unserem inneren Ausdruck bewusst ansteuern, weiß unser gesamter Organismus, dass die Reise in eine ganz bestimmte Richtung geht. In jedem klitzekleinen Augenblick. Darauf können wir uns blind verlassen und wir müssen uns diese Ziele nicht ständig vor Augen führen.
Alle Ziele erfordern ein zielkonformes Verhalten von uns. Wollen wir entsprechend unseren Zielen leben, müssen wir nicht nur auf unsere Ziele aktiv hinarbeiten, sondern uns auch den Zielen entsprechend verhalten. Sonst scheitern wir an unseren erreichten Zielen. Beispiele dafür gibt es genug. Immer dann, wenn „Der Bock zum Gärtner gemacht” wurde: Jemand mit Wissen, Fähigkeiten, Mitteln oder Posten nicht adäquat umzugehen weiß.

Wie erreichen wir ein zukunftskonformes Verhalten?

Stelle Dir die Frage: „Was wünsche ich mir von mir selbst, dass ich tue?”
Stelle Dir dazu vor, Du schwebst ein paar Meter über Dir und beobachtest Deinen Körper. Du siehst zu, was Dein Körper tut, was er sagt, wie er sich bewegt. Genau jetzt in diesem Moment siehst Du Deinen Körper auf einen Bildschirm blicken und diesen Text hier lesen. Nun fragst Du Dich:
„Gefällt es mir, dass mein Körper jetzt in diesem Moment seine Zeit dafür verwendet, diesen Text zu lesen?”
„Kann dieser Körper genau jetzt in diesem Augenblick auch etwas Besseres tun? Etwas, das besser zu ihm passt? Etwas, das er besser jetzt als nachher erledigt? Etwas, was er eigentlich gerne viel lieber tun würde?”

Der Große Wurf ist zu viel des Guten

In der jetzigen Situation sich seine Zukunft auszumalen, zeigt das Heute als IST und die Zukunft als ZIEL. Der dazwischen liegende, steile, steinige und von Sackgassen, Umwegen, Gewittern und Verlusten gepflasterte Weg kommt in diesen Träumen nicht vor. Deshalb erreichen wir so viele Ziele nicht: Wir geben auf, weil uns unterwegs der Preis dafür zu hoch wird. Wir schützen uns durch Aufgabe vor Überforderung. Das passiert, wenn wir meinen: „Habe ich erstmal meine Ziele erreicht, läuft es wie geschmiert.” Nur dabei beachten wir nicht, dass wir ein in vielen vielen Augenblicken der Zukunft konformes Verhalten an den Tag legen müssen. Und damit beginnen wir am besten genau jetzt.

Bei „jedem” Handgriff so tun, wie in der Zukunft geträumt

In dem Moment, in dem wir so tun, wie wir von uns selbst wünschen, wie wir in unserer Traum-Zukunft tun, gestalten wir bereits sehr aktiv unsere Traum-Zukunft. Verhalten wir uns jetzt schon, wie in unserer Traum-Zukunft von uns selbst erwartet, können wir jetzt schon feststellen, ob unsere erträumte Zukunft auch tatsächlich unseren innersten Wünschen entspricht. Oder ob sie doch wieder nur ein Zukunftskonstrukt ist, das wir aufgrund übernommener Muster und Glaubenssätzen meinen, erfüllen zu müssen. Denn sind wir in jedem einzelnen Augenblick bereit, uns zukunftskonform zu verhalten, können wir uns um die Passung der Ziele zu uns selbst gewiss sein.

Mit ein paar Beispielen machen wir es griffig:

Beispiel 1
A. sieht sich dabei zu, wie er am Abend vor dem Fernseher sitzt und einen Film, der ihn nur mittelmäßig interessiert, ansieht. Dabei trinkt er Bier und isst Chips.
In seiner Zukunft sieht sich A. als passabel sportlichen Typ ohne Lebensmittel bedingte Gesundheitsbeeinträchtigungen, der in geselliger Runde mit seinem Wissen besticht.
A. kann sich nun entscheiden, ob er exakt diesen Moment nutzt, um bereits jetzt so zu leben, wie er es sich für sich in Zukunft wünscht oder nicht. Er kann exakt jetzt auf eine Dokumentation umschalten oder Wikipedia durchsurfen und sich statt der Chips einen Apfel gönnen. (Das Bier würde ich an seiner Stelle schon noch ganz genüßlich austrinken). Morgen Abend kann er sich dabei beobachten wollen, wie er nach dem Abendessen (bei dem er sich diesmal nicht völlig voll schlägt) noch einen ausgiebigen Spaziergang macht und vor dem Schlafengehen ein gutes Buch beginnt.

Beispiel 2
B. regt sich in der Kaffeeküche mit einer Kollegin wie gewohnt über ihren Chef auf. Gleichzeitig, weiß sie, wie sehr sie diese Gespräche im Anschluss in eine missmütige, wenig produktive und angespannte Gefühlslage bringen.
In Ihrer Zukunft sieht sich B., als konzentriert und produktiv. Sie macht durch ihre engagierte und loyale Haltung auf sich aufmerksam. Sie erhält interessantere Aufgaben, mit weit mehr Handlungsspielraum und persönliche Freiheiten und ihr Gehalt entspricht endlich ihren langjährigen Vorstellungen. Sie hat sich eine vortreffliche Situation erschaffen.
B. kann sich nun entscheiden, in welche Richtung sie das Gespräch lenkt. Entscheidet sie sich für sich selbst und ihre Zukunft, oder erfüllt sie den Wunsch der Kollegin nach einem flach-flapsigem Gespräch? Morgen kann sie sich dabei beobachten wollen, wie sie sich mit ihrer Kollegin in der Kaffeepause vorfreudig über Wochenend- und Urlaubspläne unterhält.

Beispiele von ärgern bis einkaufen

C. ärgert sich über einen Kollegen. Er fragt sich: „Ärgert sich C. in seiner Zukunft über einen Kollegen der xy getan hat? Was tut C. stattdessen?”
D. wird die Vorfahrt genommen. Sie fragt sich: „Bleibt D. in ihrer Zukunft in so einer Situation gelassen und freut sich, dass kein Unfall passiert ist?”
E. wacht mit Grippe auf. Er fragt sich: „Geht E. in seiner Zukunft an einem Tag wie diesem in die Arbeit oder kuriert er sich gründlich aus, um dann wieder richtig anzupacken? Glaubt E., in seiner Zukunft er hat sich bei XY angesteckt oder räumt er für sich ein, noch immer nicht gelernt zu haben, seine wahren Bedürfnisse nach Erholung und Ruhe zu erkennen und zu respektieren?”
F. fühlt sich von ihrem Mann nicht adäquat wahrgenommen. Sie fragt sich: „Wie wird F. in ihrer Zukunft von ihrem Mann wahrgenommen? Wie verhält sich F. zukünftig gegenüber ihrem Mann, damit er ihr gerne und selbstmotiviert seine Aufmerksamkeit entgegenbringt?”
G. hat seinen Frust mit Einkäufen verdrängt. Er fragt sich: „Kauft sich G. in seiner Zukunft neue Hemden um seinen Selbstwert aufzuwerten? Oder hat er dann andere Strategien gefunden, damit ihm solche unerfreulichen Situationen in der Arbeit nicht wieder geschehen oder er sie besser für sich zu nutzen versteht?”

Verleitet dies nicht dazu, sich ständig ein schlechtes Gewissen zu machen?

Ein ständig schlechtes Gewissen kann ein Zeichen falschen Ehrgeizes sein. Wer fast permanent sein eigenes Verhalten als nicht zukunftstauglich betrachtet, sollte sich schon fragen, ob das, was er als ideale Zukunft von sich vorstellt, aus einer achtsamen, selbstliebenden und realistischen Sicht, auch tatsächlich zu ihm passt. Oder ob er nicht Übertragungen von anderen erfüllen will. Sehr häufig schultern wir – völlig unbewusst! – Probleme und Zukunftswünsche von Eltern oder Großeltern und anderen Verwandten. Diese haben wir durch Erziehung als unsere eigenen Zukunftsträume übernommen. So, wie der mir gut bekannte und sehr getrieben wirkende Top-Manager, der seit seiner Kindheit vom eigenen Unternehmen träumt, jedoch in einem Konzern arbeitet. Sein Vater war Unternehmer und hatte es immer als erstrebenswerter dargestellt, in einem Konzern eine sichere Stelle zu haben. Sein kleiner Bruder jedoch tat den Schritt in die Unternehmensgründung und ist äußerst erfolgreich.
Kinderwünsche (verzweifelte) oder die strikte Weigerung, Kinder in die Welt zu setzen, sind ebenso häufig angenommene Problembewältigungen anderer.

Anregungen zur alltagstauglichen Umsetzung:

Es macht keinen Sinn und ist auch schlicht nicht durchführbar, sich permanent beobachten zu wollen. Wenn es uns gelingt, in ein bis zehn Situationen täglich, flux in Gedanken zwei Meter über uns selbst zu schweben und uns zu beobachten, erreichen wir eine ganze Menge. Denn wir wählen ohnehin zunächst Situationen, die wir selbst als kritisch empfinden. Also haken wir genau da ein, wo wir mit Verhaltensänderungen viel Boden gut machen.

Auch, wenn wir die Selbstbeobachtung erst nach einer Situation schaffen, ist dies völlig in Ordnung. Es ist völlig normal, gedanklich und emotional in Situationen fest eingebunden zu sein und eben nicht die Selbstbeobachter-Rolle einnehmen zu können. Wenn uns das ein paar Male passiert, wird es uns künftig immer besser gelingen, in uns sehr einnehmende Situationen trotzdem in die Selbstbeobachtung zu gehen.

Achtung: Zukunftsvorstellung ist nicht Idealvorstellung!

Bitte verfalle nicht dem Selbstoptimierungswahn. Es ist der Tod Deines Glücks, wenn Du Dir ein Idealbild (womöglich noch nach irgendwelchen Vorbildern) zurechtzimmerst. Was Du dagegen brauchst, ist ein Bild/ eine Vorstellung von Dir in Zukunft, so wie Du Dich in aller Liebe und voll und ganz angenommen in Zukunft wahrnehmen willst. Ganz ohne vermuteten Wünschen anderer entsprechen zu wollen. Die Idealvorstellung ist meist ein übermenschliches Optimum. Die Zukunftsvorstellung dagegen ist Deine Herzenssache, die Du in stillen Stunden, ohne Neid, Scham, Angst, Trotz oder „Ich zeig´s Euch!” in völliger Selbstliebe mit Dir wahrnimmst. Es ist die Vorstellung, zu der Du allein mit Dir in jedem Augenblick bis hin zum Tod ein dickes, fettes, lächelndes JA! sagen kannst. Ganz ohne Schielen nach Applaus und Medaillen. Sehr wohl in dem Bewusstsein unperfekt zu sein und dies auf ewig zu bleiben.

Was, wenn ich einfach keine Lust dazu habe?

Ein Musterexemplar an eiserner Disziplin sein zu wollen, wird unseren Willen schneller ermüden als wir es uns träumen lassen. Und dann geht gar nix mehr. Es geht nicht darum, in jeder Situation, die wir als verbesserungswürdig erachten, auch sofort das zukunftskonforme Verhalten an den Tag zu legen. Allein sich bei Verhalten zu „erwischen”, das nicht der eigenen Zukunftsvorstellung entspricht, ist der erste entscheidende Schritt in die neue Qualität der selbstgewählten Zukunft. Ob wir den zweiten Schritt, die Umsetzung, dann auch tatsächlich tun, entscheiden wir erst im Anschluss. Es macht gar nichts, sich dann eben auch mal nicht zukunftskonform zu verhalten. Meist gelingt es dann dafür in der nächsten Situation genau deshalb umso spielerischer.

Beste Grüße!

Dein

Jörg Romstötter 

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