Corona ist ein Geschenk für unsere Führungskunst: Zeitlos wirksam führen

Diffuse Bedrohungen, wie (Corona-)Viren, lassen Ängste entstehen, die mit gewohnten Angstbewältigungs-Maßnahmen nicht zu beheben sind. Gegen diffuse Bedrohungen hilft nur Vertrauen: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, in die Gemeinschaft und in die Zukunft. Unsere innere Haltung bestimmt, ob wir die Zukunft im Führen bereits heute nutzen können.

Wir haben Angst. Dagegen hilft nur Vertrauen. 
Diese Zeit ist ein Geschenk für unsere Führungskunst.

Bisher liebten wir es mühsam zu führen. Es geht auch leichter.

Über alle Branchen, über alle Unternehmensgrößen und Gesellschaftsformen hinweg, hatten wir vor der Corona-Sache eine weit verbreitete und ungeheuer stabile, ja radikale Hörigkeit der meisten Führungskräfte: Die Verhaftung mit der Situation. Das ist kein isoliertes Führungsphänomen, sondern entspricht unserer völlig normalen Reaktion, die gerade stattfindende Situation als Maß aller Dinge wahrzunehmen. Natürlich völlig unbewusst. Sofern wir unsere Gefühle, Gedanken und Reaktionen nicht reflektieren oder gar unempfänglich für Feedback sind. Kaum jemand machte es sich leicht und nahm die Zukunft für seine tägliche Führungsarbeit zu Hilfe. Doch aus dem Selbstverständnis heraus, wer man für sich und für andere sein will, ergibt sich als logische Ableitung, was heute getan werden muss, damit dieser Zielzustand erreicht werden kann. Nur so entstehen Werte, die eine Unternehmensvision real werden lassen.

Gerade in größeren Unternehmen ist dies zudem eine Frage der kollektiven inneren Haltung. Schließlich ist man via Monats- und Quartalszahlen dem Anleger hörig, dessen Gunst zur Kapitalvermietung erfolgreich über üppige Dividenden anerzogen wurde. Kleinere Unternehmen, die diesen permanenten Zeige-Druck nicht haben, denken und handeln häufiger mittel- bis langfristig.

Zeitlos wirksam führen: Die drei wichtigsten Führungstools

1. Von der Zukunft her führen: Wer sind wir? Wer sind wir für andere? Wie leben wir das in jedem Moment (= unsere Werte)?

Gute Karten hat ein Unternehmen, das sich über seine Vision und seine Werte im Klaren ist. Wobei Werte immer vorhanden sind, sobald Menschen miteinander etwas tun. Allerdings haben bewusst formulierte Werte eine machtvolle Zugkraft und sind als Führungstool ein Geschenk: Leben wir unsere Werte schon glasklar? In jedem Moment? Wenn das jemand schafft, dann wir!

Sind Werte und Vision eine stimmige Symbiose, lässt sich jeden Tag die Vision 1.000fach als Maß aller Dinge zum herausragenden Führungstool nutzen. Mit der Vision ist die Einnahme einer konstruktiven und verbindenden Haltung und damit der Meta-Position einfach.

2. Meta-Position: Was passiert gerade? Was könnte ein Beobachter erleben? Was ist zu tun?

Alle Konflikte entwickeln sich hin zu einer Lösung, wenn die Beteiligten es schaffen, die Beobachterrolle einzunehmen. Die Meta-Position befreit von der Selbstverhaftung in Emotionen ausgelöst durch Bewertungen in Einzelsituationen. Der Gesamtkontext bleibt erhalten. Die Objektivität der Rolle bleibt erhalten: Was hat eine Führungskraft dieses Unternehmens in so einer Situation zu tun? Und nicht: Was will ich? Natürlich handeln wir dann mit unserer gesamten Persönlichkeit. Das ist ausdrücklich erwünscht. Ein roboterhafter Stereotyp wäre fatal. Dies würde die wertvolle 4-Augen-Beziehung unmöglich machen.

3. 4-Augen-Beziehung: Haben Sie mit jedem den Sie unmittelbar führen, eine belastbare, auch über Ferne funktionierende Arbeitsbeziehung?

Haben wir mit jedem, mit dem wir im Arbeitsalltag nahe zu tun haben, eine echte 4-Augen-Beziehung, sind Destruktivität und Konflikte Geschichte. Destruktivität ist ein Zeichen von Angst. Angst können wir nur durch Vertrauen auflösen. Selbstredend wird die 4-Augen-Beziehung mit jedem anders sein. Mit dem einen persönlicher, weil man sich ähnlich ist oder ähnliche Interessen hat. Mit dem anderen sachlich orientierter. Beides ist gleich wertvoll.

Softfacts erweisen sich nun als die tatsächlichen Hardfacts 

„In besonderen Zeiten wie diesen jetzt, müssen wir uns auf die Hardfacts konzentrieren. Wir können uns jetzt nicht um weiche Dinge wie Kultur kümmern.” Sorry, Holzweg. In Zeiten wie diesen zeigt sich so klar wie nie, welche Kultur in einem Unternehmen tatsächlich herrscht. Wo sich jetzt eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens, zueinander Stehens und Anpacken-hoch-3 entpuppt, zeigt sich wie erfolgreich in den letzten Jahren die Kulturentwicklung war. Denn eine wert-volle Unternehmenskultur baut auf Vertrauen. Vertrauen ist das Fundament jeglicher erfolgreicher Zusammenarbeit.

Vertrauen besiegt Angst – Führungskräfte sind Entfaltungs-Helfer

Wie bewusst uns das auch immer ist, wir Menschen wollen uns entfalten. Wir streben nach Entwicklungsmöglichkeiten, wollen diese erhalten, entfalten und verwirklichen. Wir wollen alle unsere Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ausweiten. Jeder auf seine Weise. Manches Verhalten davon ist tatsächlich nützlich, anderes nicht (da hat jeder so seine Baustellen ;-)).

Menschen streben grundsätzlich konstruktiv, rational und sozial nach Entfaltung. 
Vorausgesetzt, sie erfahren bedingungslose und positive Wertschätzung. 

Das heißt: Schaffen wir eine Atmosphäre der positiven Wertschätzung, bekommen wir Kolleginnen und Kollegen, die konstruktiv, rational und sozial mit uns an einem Strang ziehen.

Meine Damen, Meine Herren: Haltung bitte! 

Mit welchem Verhalten kannst Du jetzt Eure Unternehmensvision und Eure Unternehmenswerte besonders deutlich leben?

Führen findet jeden Tag über 1.000 Mal statt: In Worten, Mimik und Gestik.

Achte darauf was Du sagst, wie Du es sagst. 

Mache bei keiner einzigen Unkerei, Scheißhausparole oder sonstiger Destruktivität mit. Beende diese. Zeige alternative Sichtweisen, habe Ideen, finde Lösungen, lache! (Menschen, die lachen, erholen sich von Verlusten eher, als Menschen, die nicht lachen.)

Destruktivität nützt nur Deinen und Euren Gegnern. Sie schadet der Gemeinschaft und Dir selbst am meisten. 
Destruktivität ist lediglich Druckentlastung und eine Form der Abwehr auf niedrigem psychischem Niveau. Entlastung von psychischem Druck geht am allerbesten durch flotte bis anspruchsvolle Bewegung im Freien – und da am besten in der Natur.  So wandeln wir diesen Druck sogar in etwas sehr Wertvolles für uns um. Wir alle bauen während eines Arbeitstages einen gewissen psychischen Druck auf. Das ist normal. Wie wir mit diesem Druck umgehen, bleibt unsere tägliche Entscheidung.

Denke von der Zukunft her: Was braucht es heute für morgen?

Es wird ein „Danach” geben.

Vertraue. Das nimmt Ängsten die Macht.

Ich wünsche Dir das Allerbeste.

Bleibe gesund. Auch Deine Familie.

Übersteht eine evtl. Infektion sanft und unbeschadet.

Gute Zeit & Viele Grüße!

Jörg Romstötter

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Meine Hilfestellungen zur Selbstführung und damit zur Führung anderer, erscheinen nicht immer leicht in ihrer Umsetzung. Wobei sie sich gerne offenkundig plausibel, „einfach” und eingängig lesen. Diese Vorgehensweisen, werden in ihrer Umsetzung sowohl als äußerst einfach und äußerst schwierig empfunden. Je nachdem, welche Qualität innere „Arbeit” jemand schon mit sich angestellt hat. Selbstführung beginnt mit der Selbst-Begegnung. Ohne sie ist jede erlernte Vorgehensweise lediglich vordergründiges Tun und funktioniert nur rudimentär: Wir werden als „Tool-Anwender” entlarvt.

Selbst-Begegnung ist ein Stufenprozess: Wer eine „Stufe” erreicht hat, sieht sich unmittelbar mit der nächsten konfrontiert. Wer keine „Stufen” erkennt, ist nicht etwas schon „angekommen” oder gar „fertig”. Der sieht lediglich (unbewusst) von der nächsten Stufe weg. Was natürlich auch völlig ok ist.

Eine der wirksamsten Möglichkeiten zur Selbst-Begegnung und gleichzeitig zur Selbstführung ist seit jeher die Natur. Und dabei im Besonderen das Alleinsein draußen. Sich selbst ein wenig zuhören inmitten der weitenden, klärenden, stärkenden und erdenden Natur, ist ein ganz besonderes Geschenk. Ich wünsche Dir und mir den Mut, dass wir uns dieses Geschenk immer wieder machen.