Mehr Spaßbremsen! Selber schuld, wenn Dir Deine Arbeit keinen Spaß macht.

Wie jetzt? Darf Arbeit keinen Spaß machen? DOCH! Spaß an seiner Arbeit ist eines der größten Geschenke im Leben! Nur, ob wir bei der Arbeit Spaß empfinden, ist unsere eigene Verantwortung. Sie kann uns niemand abnehmen. Auch nicht der Chef.

Zu Beginn eines Workshops tat eine Führungskraft ihre Erwartung kund: „Ich erwarte Magic!” 
Ich dachte mir: „Danke, dass Du mir das sagst. Ich werde tun, was ich tue. Ob Du das als Magic empfindest, ist Deine Sache. Das lasse ich bei Dir.”
Am Abend war sein Tagesresümee vorm Team: „Mir gefällt es, bloß Magic war das heute noch nicht. Ich hoffe das wird morgen besser.”
Am nächsten Morgen sagte er, wieder vor allen: „Ich habe nochmal nachgedacht und eine Nacht darüber geschlafen. Für Magic bin ich verdammt noch mal selbst verantwortlich! Ich freue mich auf heute!”

Hammer, oder?! Das nutzten wir als Steilvorlage für „Bin ich als Führungskraft verantwortlich, dass meine Leute Spaß haben?” Und „Ist es überhaupt möglich, andere zu motivieren?” 

Dazu unten Genaueres. Doch nun:

Sind Unternehmen oder Führungskräfte für Spaß an der Arbeit verantwortlich?

Spaß-Erwartung ist Machtmittel

Stellen wir uns ein Kind vor, das in der Ecke sitzt und schmollt. Oder noch besser, das nölt: „Maaaami, mir ist soooooo langweilig!” Mutter bzw. Vater sieht/hört das und fühlt den Drang, dem Kind aus dieser Stimmung in eine andere Stimmung zu verhelfen.

Geht Mami oder Papi darauf ein, hat das Kind sein Elter voll am Wickel. Erst, wenn es dem Kind genehm ist und sein Wunsch erfüllt, ist Mami oder Papi fertig mit seiner Arbeit gute Gefühle beim Kind zu erzeugen. Doch wieso sollte es jemals zufrieden mit der Leistung seines Elter sein? Dann hätte es ja kein Machtmittel mehr. Also wird das Kind Nölen und Schmollen und Nölen und Schmollen. Bis es seine Kompetenz seine Stimmungen und Probleme zu managen völlig verlernt hat und sich nur noch in Gefangenschaft wohl, weil sicher, fühlt.

Identisch verhält es sich in der Arbeitswelt: Sieht es Führungskraft als seine Aufgabe, Spaß und Freude an der Arbeit und Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz beim Mitarbeitenden zu erzeugen, wird sie diese Bürde niemals bewältigen können. 

Doch nun erforschen wir, was wir da beobachtet haben:

Perspektive A: Der Erwachsene

1. Der Erwachsene fühlt sich für die Gefühle des Kindes verantwortlich. 

Das hat mit Fürsorge nichts mehr zu tun. Es ist eine Projektion der eigenen Gefühlswelt auf das Kind: „Helfe ich meinem Kind aus seiner misslichen Gefühlslage heraus, geht es mir gut, denn dann bin ich ein/e gut/e Mutter/Vater eines fröhlichen Kindes.”

Wieso meint der Erwachsene das Recht oder gar die Pflicht zu haben, die Gefühlslage des Kindes zu bewerten? Und zudem diesen Gefühlszustand als jetzt und hier veränderungsnötig zu begreifen?

Es geht also gar nicht um die Gefühle des Kindes, sondern um die Gefühle des Erwachsenen. Das Kind wird als Gefühlsbarometer missbraucht. Es darf keine eigenen Gefühle haben, sondern soll sich so fühlen, wie der Erwachsene es gerne hätte. Oder gar sich selbst fühlen möchte.  Auch und gerade wenn der Erwachsene sich im Moment gut fühlt!

2. Der Erwachsene hat kein Vertrauen in sich selbst und deshalb auch nicht in sein Kind.

Der Erwachsene traut seinem Kind nicht zu seine Stimmungen erforschen, erfahren und verändern zu lernen. Der Erwachsene traut sich selbst ein funktionierendes Stimmungsmanagement nicht zu, sondern macht andere dafür verantwortlich. Auch er hat das so gelernt. Es sind die unbewusst fantasierten Ereignisse, die ihn in Zukunft als scheiternd sehen. Ja, der Erwachsene hat Angst im Leben nicht bestehen zu können.

Die als spannungsvoll erlebten Momente im Leben, in welchen wir vor Problemen stehen und auf alle möglichen Arten versuchen Lösungsansätze zu finden, sind sehr wertvoll. Denn NUR in ihnen lernen wir unsere Fähigkeiten anzuwenden, neue Fähigkeiten zu erlernen und damit uns als lernfähiges, kompetentes Wesen wahrzunehmen, das weiß wer es ist. Spätere, weit größere Herausforderungen, können wir dann zuversichtlich angehen. Selbstwirksamkeitserwartung genannt. Wir machen dann andere weder für unsere Gefühle, aktuelle Stimmung noch unsere Umstände verantwortlich. Sondern packen uns an der eigenen Nase: „Ok, das ist jetzt heftig. Doch mir wird schon noch was einfallen. Ich habe schon Schwierigeres gemeistert!”

3. Der Erwachsene hat Angst, seine eigene Gefühlswelt unabhängig von der momentanen Gefühlslage anderer zuzulassen. 

Wäre der Erwachsene mit sich im Reinen, hätte er Gedankengänge wie diese, wenn er seine als missmutig empfundene Gefühlslage, wahrnimmt: 

  • „Ok, dann bin ich eben nicht so gut drauf. Normal.”
  • „Das vergeht wieder. Heute ist heute und morgen ist ein neuer Tag.”
  • „Wieso geht es mir, wie es mir gerade geht? Mache ich gerade andere oder Umstände für meine Gefühle verantwortlich?”
  • „Vielleicht habe ich ja auch nur zu wenig oder das Falsche getrunken oder gegessen? Schlecht geschlafen? Eine Laus über die Leber gelaufen?”
  • „Ist das jetzt wirklich so schlimm wie ich mich fühle? Oder sieht die Welt in ein paar Stunden nicht ohnehin schon wieder anders aus?”
  • „Mache ich mir unbewusst Sorgen? Habe ich Angst vor etwas und gestehe es mir nicht ein?”
  • „Wieso bewerte ich eigentlich meine Gefühle in negativ und positiv? Ich kann sie doch einfach gelassen hinnehmen und sehen, was sich tut.”
  • „Wieso ist mir das so wichtig, dass es meinem Kind nicht langweilig ist? Kann ich selbst mir Langeweile nicht umgehen? Überdecke ich meine innere Leere mit Aktionismus?”
  • „Wieso lasse ich zu, dass die Stimmungslage meines Kindes meine eigene Stimmung beeinflusst? Vielleicht will ja mein Kind gerade das erzeugen um mich zu steuern?”

(Identische Fragen können wir uns natürlich stellen, wenn wir es mit Erwachsenen zu tun haben.)

Perspektive B: Das Kind

Nur das Kind kann wissen, wieso es jetzt schmollt. Vielleicht:

  • Hat es gelernt so grandiose Aufmerksamkeit von den Eltern zu bekommen? „Wenn ich schmolle, kümmert sich Mami/Papi um mich.”
  • ist auch ihm eine Laus über die Leber gelaufen und es setzt sich gerade mit den Ereignissen und seinen Gefühlen dazu auseinander: Eine Lösung im eigenen Saft schmorend ausbrütend.
  • hat es heute/ gerade eben mal einen Durchhänger und ist einfach nicht so gut drauf?
  • „brütet” es etwas aus und ist ein wenig (völlig harmlos) kränklich? (So wie es auch Erwachsene sind. Übrigens ist das ein völlig normales Phänomen des Menschseins und in keinster Weise behandlungswürdig, weder mit Medikamenten noch durch Krankschreibung!!!)
  • will es einfach mal diese Gefühlslage ausprobieren und sie auskosten? Sich selbst zu erleben, wie sich die Welt anfühlt und was sich so zeigt, wenn „Ich eben jetzt mal schmolle, Sapperlot!” Also einfach mal Schmollen um zu Schmollen oder sich langweilen um sich zu langweilen?
  • Welche Motive fallen Dir ein, liebe Leserin, lieber Leser?

Freilich, sich eher weniger als mehr bewusst darüber zu sein, was es mit seiner Gefühlslage bewirken möchte.

Apropos Langeweile

Weile ist ein altes Wort für Zeit. Langeweile heißt damit die Zeit als lange dauernd wahr zu nehmen. Also empfunden viel Zeit zu haben. Welch fantastischer Zustand! Heute, wo alles rast und hastet! Beneidenswert!

Was kann der Erwachsene tun?

  1. Er kann bei sich bleiben. Sich als eigenständiges Wesen, das dennoch mit dem anderen verbunden ist wahrnehmen.
  2. Gefühle und Probleme – ganz im Guten! – beim anderen belassen: „Es sind Deine Gefühle. Die gehen mich nichts an. Ich helfe Dir gerne, wenn Du mir sagst wie. Ich fühle mit Dir, doch ich leide nicht mit Dir. Ich habe vollstes Vertrauen in Dich, dass Du Lösungen für Dein Stimmungsmanagement und Deine Probleme findest.”
    Im Wort Verantwortung steckt das Wort „Antwort”. „Wie kann ich mein Kind unterstützen, selbst Antworten zu finden?”
  3. Er könnte sich fragen: „Will ich Mutter/Vater eines Kindes sein, dessen Lebensglück und Lebensfreude, schließlich Lebenserfolg vom Willen und den Rahmenbedingungen anderer abhängig ist? Will ich mir Zeit meines Leben das Gejammere meines Kindes anhören „Ach wie gemein doch die Welt zu mir ist. Aus mir könnte ja so viel werden/ Ich könnte ja soooo glücklich sein, wenn die anderen mich ließen!”? Gibt es nicht Interessanteres zu besprechen?”

Wieso diskutieren wir hier die Eltern-Kind-Welt? Es geht doch um die Arbeit.

Es hat sich mir gezeigt, zur Verdeutlichung wirken gerade Beispiele aus der privaten Beziehungswelt besonders eindringlich. Private Beziehungen werden gewöhnlich als intensiver und wichtiger wahrgenommen als berufliche. Verständlich. Nur wenn wir Wissen mit starken Gefühlen verbinden, merken wir es uns dauerhaft.

Außerdem sind sehr viele Verhaltensmuster Erwachsener in frühester Kindheit völlig unbewusst gelernt. Sie werden wieder und wieder angewendet, da sie sich als Erfolgsmuster etabliert haben. Stoßen wir dann im Beruf immer wieder auf ähnliche Probleme, lassen sich die Nachteile dieser Erfolgsmuster erkennen. Bloß sind sie für den Betroffenen nicht ohne Weiteres erkennbar. 

Wer Spaß an der Arbeit vom Arbeitgeber oder seiner Führungskraft erwartet, will Gefangenschaft

Es ist die gelernte Abhängigkeit von anderen für das eigene Wohlbefinden. Wo und wann auch immer das geschah. Ja, auch Unternehmen schaffen durch ihre Unternehmenskultur Atmosphären der Gefangenschaft. Einfach, weil sich unselbständig denkende Menschen ohne Eigenverantwortung sehr einfach führen lassen. Führungskunst ist das zwar nicht, sondern ganz klar Manipulation, Bevormundung und Zwang. Doch einerlei. Viele merken gar nicht, wie sehr sie sich abhängig gemacht haben. Schmerzens- oder Schweigegeld und satteste Hygienefaktoren wie Zuzahlungen aller Art und Gratiskaffee tun ihr Übriges um Ausbruchversuche aus dem Kuschelnest absurd werden zu lassen.

Können wir andere motivieren?

Nein. Wir können durch Rahmenbedingungen und Verhalten an die Werte und daraus folgenden Handlungsmotive anderer anknüpfen. Die Motivation anzupacken muss dann aus dem Einzelnen erfolgen. Schon allein, um dessen Freiheit und Selbstwirksamkeitserwartung zu schützen.

Mehr dazu findest Du in den Beiträgen zu Werten, Berufsidentität Teil 1 und Berufsidentität Teil 2.

JA! Arbeit soll Spaß machen! 

Was gibt es Schöneres, als gerne sein Leben zu leben? Tun, was man gerne tut. Privat wie beruflich. Menschen um sich zu haben, die wir mögen. Wir können dafür mehr tun, als wir im einzelnen Moment oft meinen. Ja, auch das ist Arbeit. Eine in jedem Fall selbst gewählte Arbeit. Die Arbeit, Freude am eigenen Leben zu haben.

Gute Zeit & Viele Grüße!

Jörg Romstötter

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Meine Hilfestellungen zur Selbstführung und damit zur Führung anderer, erscheinen nicht immer leicht in ihrer Umsetzung. Wobei sie sich gerne offenkundig plausibel, „einfach” und eingängig lesen. Diese Vorgehensweisen, werde in ihrer Umsetzung sowohl als äußerst einfach und äußerst schwierig empfunden. Je nachdem, welche Qualität innere „Arbeit” jemand schon mit sich angestellt hat. Selbstführung beginnt mit der Selbst-Begegnung. Ohne sie ist jede erlernte Vorgehensweise lediglich vordergründiges Tun und funktioniert nur rudimentär: Wir werden als „Tool-Anwender” entlarvt.

Selbst-Begegnung ist ein Stufenprozess: Wer eine „Stufe” erreicht hat, sieht sich unmittelbar mit der nächsten konfrontiert. Wer keine „Stufen” erkennt, ist nicht etwas schon „angekommen” oder gar „fertig”. Der sieht lediglich (unbewusst) von der nächsten Stufe weg. Was natürlich auch völlig ok ist.

Eine der wirksamsten Möglichkeiten zur Selbst-Begegnung und gleichzeitig zur Selbstführung ist seit jeher die Natur. Und dabei im Besonderen das Alleinsein draußen. Sich selbst ein wenig zuhören inmitten der weitenden, klärenden, stärkenden und erdenden Natur, ist ein ganz besonderes Geschenk. Ich wünsche Dir und mir den Mut, dass wir uns dieses Geschenk immer wieder machen.