Teil 1 Berufsidentität: Wer bin ich? Und wieso will ich das wissen? Berufsidentität wird immer wichtiger.

Berufsidentität ist ein Kernthema meiner Arbeit. Lassen sich doch auf sie viele Symptome in der Arbeitswelt zurückführen, wenn es zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht so recht klappt. Jemand in einer Position scheitert, oder wenn der „Mitarbeitermarkt wie leer gefegt ist”. Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Thema Berufsidentität erschlägt sich mit der Erkenntnis: „Ich identifiziere mich mit meinem Beruf.” Das stimmt zwar so und man könnte es dabei bewenden lassen. Doch verbirgt sich das wirklich Wichtige in tieferen Schichten. Wie meistens im Leben.

Den Kuchen größer machen: Berufsidentität entsteht durch Geben und Nehmen

Jeder Mitarbeitende, gestaltet durch seine Werte und sein Verhalten, die Identität seines Arbeitgebers und seines Berufes mit.
Jeder Arbeitgeber gestaltet die Berufsidentität eines jeden Mitarbeitenden durch seine Werte und sein Verhalten mit.

Du erkennst die wechselseitige Beeinflussung und Abhängigkeit?

Berufsidentität ist also nichts, das wir per se selbst schaffen. Oder das uns von jemand anderem gegeben wird. Durch unsere Talente, Werte und Neigungen fühlen wir uns zu bestimmten Berufen und damit zu bestimmten Arbeitgebern hingezogen. Die weitaus meisten Berufe und damit Arbeitgeber bleiben für uns ein Leben lang „unsichtbar”.
Genauso schafft kein Arbeitgeber völlig aus sich selbst heraus eine eigene Identität, die dann seine Mitarbeitenden als ihre Berufsidentität annehmen können. Jeder einzelne Mitarbeitende bereichert auf seine Weise die Identität des Unternehmens/ Organisation.

Wie wir uns selbst wahrnehmen, wie wir andere wahrnehmen und wie andere uns wahrnehmen ist also nicht frei gewählt, sondern stark eingefärbt von dem mit was wir uns täglich beschäftigen und in welchem Umfeld (Organisation/Unternehmen) wir uns aufhalten.

Es ist nicht egal, was Du tust

Unsere Berufswahl hat deutliche Auswirkungen auf einen bedeutenden Teil unserer Identität: „Über die Lebensspanne ist die berufliche Identität diejenige, mit höchster identitätsstiftender Relevanz” (Cohen, 1981)

Identität ist die Summe unserer individuellen Eigentümlichkeiten. Wir erkennen uns als „Ich” unabhängig von unserer aktuellen Situation. Trotzdem verändert sich die Zusammensetzung unserer Identität laufend durch unsere Erfahrungen.

Die Identität ist sehr stark mit dem Selbstwertgefühl verbunden

Fühlen wir uns zu Gruppen, wie z.B. einem Unternehmen zugehörig, beeinflusst deren Stellenwert in der Gesellschaft auch die Wahrnehmung über den Wert von uns selbst. So ist es verständlich, wenn jemand eine Anstellung bei einem bekannten Arbeitgeber sucht. Er stärkt mit dessen Popularität auch seinen Selbstwert. Mitarbeitender eines „Hä, wer ist denn das?”-Unternehmens zu sein, muss man vor Verwandten, Freunden und Nachbarn auch aushalten wollen/können.

Hier liegt für die Hidden-Champions der Arbeitgeber der Hase im Pfeffer

Wie sollen wir an gute Leute kommen, wenn die uns zwar bei Messen oder im Internet finden, doch sich einfach nicht trauen, bei uns zu arbeiten? Die Antwort gibt´s im Teil 2.

Unserer Identität und unser Selbstwert wird uns meist erst durch Verluste bewusst

Wir sind Weltbürger, Europäer, z.B. Deutscher, dabei Baden-Würrtemberger/Bayern/Brandenburger/…, dabei Oberbayern/Niederbayern/Franken/…, dabei Münchner/Nürnberger/…, dabei z.B. Schwabinger, Vater/ Mutter, Kind, Freund/in, Vereinsmitglied, Hobby-XYer, <Berufsbezeichnung>/in usw.

Reisen wir im Urlaub in ein fernes Land, werden uns plötzlich Teile unserer Identität bewusst, die im Alltag zumeist völlig aus unserer Wahrnehmung verschwinden: Wir sind da auf einmal z.B. Weiße, Europäer, Deutsche, Billig-/Alternativ-/Nobel-Touristen (Menschen die zum Spaß verreisen können). Wir beobachten aus dieser Identität heraus unseren neuen, vorübergehenden Lebensraum und bewerten ihn anhand der mit unserer Identität verknüpften Sichtweisen und Wertungen: Wir vergleichen uns und unsere üblichen Lebensweise mit der beobachteten. Im Vergleich bewerten wir. Zumeist unbewusst, manchmal diskreditierend, dann wieder bewundernd oder gar neidisch. Wir fühlen uns dabei wohl und sicher. Können wir doch quasi jederzeit wieder zurück reisen in vertraute Werte und Normen. Diese Sicherheit schenkt uns zu einem großen Teil unsere Identität. Wir haben sie via Geburt und oft jahrzehntelanges Leben erworben.

Normalerweise wird unsere Identität nicht so schnell erschüttert

Doch wie erginge es uns, könnten wir aus irgend einem Grund in unsere Heimat nicht mehr zurück. Oder in unserer Heimat würde etwas Unsägliches geschehen, das uns in unseren Grundfesten erschüttert und wir uns von heute auf morgen nicht mehr als „Deutsche” identifizieren könnten. Unsere so selbstverständlich gelebte Identität würde Risse bekommen. Schleichend oder abrupt nehmen wir die geringer werdende Bindung wahr und sehen uns damit konfrontiert, uns in der fremden Region mit völlig anderen Wertvorstellungen teilweise eine neue Identität zu schaffen.
Ups, das sieht jetzt auf einmal nicht mehr so ganz nach Spaß aus.
Drum verstehen wir, wenn übersteigerte Pseudo-Identitäten bei Auswanderern entstehen, die meist überradikal angeblich geltende Werte der Heimat ausleben. Eine notwendige Kompensation, um sich selbst in der Welt einen Platz zu schaffen.

Erst schmerzende Verluste zeigen uns, was wir wie selbstverständlich besessen hatten. Mit unserer Berufsidentität verhält es sich genau so. So oft wir uns auch beschweren mögen und uns unser Beruf Mühsal, Unlust, Ärger, gar Frust bereitet, so wertvoll ist er doch, uns „rund” zu fühlen. Viele Arbeitslose können ein Lied davon singen, wie flott ihnen – besonders wenn nicht zeitnah ein neues Angebot winkt – die Felle der Berufsidentität davon schwimmen. Wie heftig das für viele ist, zeigen die gehäuften Fälle von Alkohol-, Drogenmissbrauch, Depression und Selbstmord.

„Ob wir jemand sind und wer wir wirklich sind, wissen wir oft erst, wenn wir etwas nicht mehr sind.”

Soweit zum Verständnis. Jetzt gehen wir tiefer rein.

Lebenslanges Puzzlespiel Identität

Es gibt ein Bleiben im Gehen,
ein Gewinnen im Verlieren,
im Ende einen Neuanfang.
Aus Japan

„Es gibt ein Bleiben im Gehen”: Jeder Beruf, jeder Arbeitgeber hinterlässt etwas in uns und wir hinterlassen etwas.

Berufsidentität durch die kleine Historienbrille

In der Ständegesellschaft kamen unsere Vorfahren mit einer kaum veränderbaren und dafür umso klareren Berufsidentität bereits auf die Welt. Man war, als wer man geboren wurde. Noch bis zum Ende des letzten Jahrtausends waren Unternehmenszugehörigkeiten über das gesamte Berufsleben fast schon üblich. Wer wechselte, war ein „Niemand”. Heute mutet die Wechselhäufigkeit mancher wie munteres Jobhopping an. Die Möglichkeiten heute sind vielfältig und wir sind in vielerlei Hinsicht faktisch und emotional freier als früher.

Der Preis der Freiheit ist die Selbstverantwortung

Der Preis dafür ist Orientierungs- und Haltlosigkeit mit der (viel zu) viele durchs Leben steuern. Immer auf der Suche nach dem Optimum, das es nur bedingt geben kann. Ja, wir haben heute viel mehr Möglichkeiten und dadurch auch die Eigenverantwortung unsere Identität zu vervollständigen. Der können viele gar nicht gewachsen sein. Einfach, weil wir keinerlei gesellschaftliche Instrumente mehr haben, die einen Menschen in seiner Berufung wirkungsvoll abholen. Unser Kindergarten-, Schul- und Ausbildungssystem greift lediglich bei den vielleicht 20% faktischen Fähigkeiten. Nur, was ist mit dem emotional-intuitiv-künstlerisch-kreativem Rest von läppischen 80%?

Hat jeder Berufsidentität?

Jedem ist seine berufliche Identität jedoch auf seine eigene Weise bewusst und sie hat ebenso eine ganz eigene Bedeutung und Stellenwert im Leben eines jeden Einzelnen. Identität heißt ja noch nicht, dass wir uns „ganz bewusst identifizieren”, also positiv und vielleicht sogar mit stolz geschwellter Brust unseren Beruf ausüben.

Mit unserer Berufsidentität kommen wir meist in Situation wie dieser in Kontakt: Wir treffen mal wieder einen alten Bekannten. Da dauert es nicht lange, bis einer die Frage stellt „Und, was machst Du so?” Es folgt die Nennung von Berufsbezeichnung und Arbeitgeber. Die Antwort erfolgt mit unserem gesamten Körper. Wie sehr diese Tätigkeit unseren Zielvorstellungen entspricht, verraten wir deutlich. Unsere Augen, Mimik, Gestik und Stimmlage zeigen, wie es uns wirklich geht, wie wir zu unserem Job stehen und wie stark wir unseren Gesprächspartner beeindrucken wollen.
Meine Beobachtung: So bald zwei den üblichen Schlagabtausch des Smalltalk überstanden haben (oder zwei Bier getrunken haben), dann beginnen sie sich gegenseitig die Wahrheit zu sagen. Kurz: Sie fangen zum Jammern über ihren Arbeitgeber oder Kollegen/ Vorgesetzte an.

Allerdings ist die Berufsidentität, wie keine unserer Identitäten, ein fester, unveränderlicher Wert in unserem Leben. Sie schwankt, je nachdem, wie stark wir uns mit unserem Beruf und/oder Arbeitgeber identifizieren. Als besonderes augenfälliges Beispiel sei hier das Real Product Ownership genannt. Bei diesem ist eine gehörige Identifikation mit dem Produkt bzw. der (Dienst-)Leistung nötig, um im Modus der Hingabe das Optimum zu erreichen. Als „Belohnung” erhält der Real Product Owner ein Höchstmaß an Wert/Inhalt/Volumen für seine Berufsidentität.

Wir ordnen uns in die Gesellschaft ein

Festzustellen „Ich bin”, „Ich war” oder „Ich werde” ordnet uns auf eine ganz bestimmte Weise ein in die Gesellschaft, in unser soziales Umfeld. Wir erhalten damit von anderen automatisch einen „Wert”. Je nachdem, welche Achtung, welchen Stellenwert ein Beruf in der Gesellschaft bzw. im Umfeld einnimmt.

Was steht einmal auf Deinem Grabstein?

Vielleicht kennst Du Grabsteine, die eine Berufsbezeichnung tragen oder einen Spruch. Was meinst Du, werden Deine Nachkommen da hinschreiben? Oder was würdest Du ihnen in Deinem letzten Willen auftragen, da hinzuschreiben?

Steht da: An-allem-herum-Nörgler, Ständig-miese-Laune-haber, Nicht-wissen-was-er-will, Nichts-Ausprobierer, Rücksichtsloser-Ausbeuter, Den-Hals-nie-voll-Krieger, Sich-selbst-nicht-Möger, Ausbremser, Mit-Zweierlei-Maß-Messer…?
Oder steht da: Lebens-Anpacker, Lebens-Genießer, Lebens-Künstler, Träume-Umsetzer, Risiken-Eingeher, Starke-Schulter, Verständiger-Zuhörer, Interessierter, Vielseitiger, Helfer-in-der-Not, Zu-sich-Steher, Unterstützer, Geber…?

Identität bedeutet, dass wir uns mit etwas identifizieren

Ohne große Lebensphilosophien zu bemühen, sind wir selbst der Prüfstein für das, was wir täglich tun. Wir selbst müssen es mit uns aushalten. Nicht nur jeden Tag, sondern ganz besonders dann, wenn es dem Ende zu geht. Sind wir uns selbst ein guter Gesellschafter, sind wir auch bei denen gerne gesehen, die wirklich auf unserer Wellenlänge sind.

Was hältst Du von diesem Ziel?
„Sich in seinem eigenen Leben heimisch fühlen.”

Das wünsche ich uns beiden: Im hohen Alter blicken wir zurück, wohl wissend, wir haben unsere Zeit auf Erden in unserem Sinne gut genutzt. Wir sind uns und dem Leben nichts schuldig geblieben. Wenn es so weit ist, gehen wir in Würde vor uns selbst.

Diese Frage finde ich dazu sehr passend:
„Was würde das Kind, das Du damals warst, zu dem Menschen sagen, der Du heute bist?”

Hier geht´s im Thema noch tiefer.

„Was muss sein, damit ich mich in meinem eigenen Leben heimisch fühle?”

Was hat das bloß mit Berufsidentität zu tun?

Die Antwort auf diese beiden Fragen liefert eben auch zum (großen) Teil die Berufsidentität. Wir fühlen uns in unserem Leben heimisch, wenn wir den Beruf ausüben, der möglichst gut zu unserem Wesen, unseren Talenten und Interessen passt. Gelingt es uns, so einen Beruf zu finden, ergeht es uns vielleicht wie meinem Bekannten: Er ist Zimmerer (eigener 8-Mann-Betrieb). Sie bauen besonders effektive Holzhäuser und erledigen Renovierungen und Wärmedämmungen aller Art. Er ist ein weltoffener, weit gereister, Gefahr-Erprobter, entspannter Bergliebhaber und Segler, Holzbautechniker und Zimmermeister:

„Wir Zimmerer sind stolz auf unser Handwerk. Wir stehen oben am Dach. Jeder kann uns und unsere gute Arbeit sehen. Da siehst Du, wie richtig was weiter geht jeden Tag. In zwei, drei Tagen ist so ein Dachstuhl fertig. Da musst Du ein ganzer Kerl mit Kraft, Ausdauer und Geschick sein. Dafür kann man nicht jeden brauchen.”

Ui! Das hat ordentlich Schmalz, oder!
Wobei wir solch kernigen Ausdrücken nicht ohne Weiteres neidvolle Blicke zuwerfen sollten. Die Wenigsten von uns gäben astreine Zimmerleute ab.

Zudem entspricht es üblichem Gruppenverhalten, der eigenen Gruppe Identität durch Abgrenzung zu anderen Gruppen (hier Berufen) zu geben und sich selbst mit Attributen zu inszenieren. Auch, um vielleicht einer gesellschaftlichen Geringschätzung/Ablehnung/Stigmatisierung seiner Berufsgruppe Selbstachtung und damit Würde entgegen zu setzen.  Vielleicht wie Fernfahrer?

Letztlich geht es darum, sich in seinem Leben heimisch, also angekommen zu fühlen. Dann steht auch automatisch das Richtige auf dem Grabstein und „wir als Kind damals” würden uns einfach nur freuen, über das, was wir heute tun.

Vielleicht helfen Dir diese Fragen:
Macht Dich das, was Du tust stolz?
Hat es das Zeug dazu, Dich stolz zu machen?
Wobei hier das Stolz-Sein auf sich selbst gemeint ist und nicht die erhoffte Anerkennung von anderen.
Füllst Du es aus, was Du tust?

Diese Entwicklung findet seinen Höhepunkt im Tod

Gerade der Beruf ist, normalerweise, etwas, das wir nicht bis zu unserem Tod ausüben. Wer wir im Beruf waren, verblasst. Egal, wie erfolgreich und einflussreich wir auch immer gewesen sein mögen, irgendwann sind wir maximal der oder die „Altpräsident/in”, „Altkanzler/in”, „Alt-Was-weiß-ich”. Und höchste Zeit endlich die Jungen die Welt gestalten zu lassen.

Meine Meinung: Ich frage mich bei etlichen alten Amtsinhabern, was die um alles in der Welt in den meist mindestens sieben Jahrzehnten vorher alles versäumt haben, dass sie es mit ihrem Klammern an Ämter und Würden so sehr herausreißen müssen. Ihrer Leiche ist es doch wurscht, wie es auf der Welt zu geht. Möchte man meinen… Da hat sich nicht viel geändert: „Krieg ist, wenn alte Männer reden und junge Männer sterben.”

Treiben wir das Spiel mit dem Tod ruhig noch etwas weiter

Nein, ich bin nicht an makabren Spielchen interessiert. Auch bin ich kein vertrackter Grufty. In unserer Gesellschaft verdrängen wir den Tod. Wir stigmatisieren ihn zu etwas Unnatürlichem, als etwas nicht zum Leben Gehörenden. Damit berauben wir uns einem großen Teil Lebensintensität. Gleichzeitig verleugnen wir das lebens-normale Dilemma: letztlich ist eh alles egal, weil wir sterben. Genau deshalb ist nichts egal, eben, weil wir nun mal (nur) jetzt leben.

Habe ich „richtig” gelebt?

Jeder von uns – ausnahmslos! – stellt sich irgendwann mehr oder weniger bewusst die Frage: Habe ich „richtig” gelebt? Was auch immer da „richtig” bedeutet: mag es im Sinne religiöser/spiritueller Vorstellungen, seiner (Familien-)Tradition, entsprechend seiner „Potenziale”, seines „wahren Seelenausdrucks”, der größtmöglichen Intensität oder wie auch immer sein.
Die Antwort auf die Frage wird zum Teil eben auch durch die Berufsidentität gegeben. Haben wir das Gefühl, einen wesentlichen Teil unserer Lebenszeit mit Tätigkeiten zu verbringen, die uns „einfach auf den Leib geschnitten” sind, fühlt sich das gut und stimmig an. Wir identifizieren uns mit unserem Tun. Wir lassen also aktiv zu, dass unser Tun uns sagt, wer wir sind.
Und genauso fühlt es sich eben nicht stimmig, mühsam, langweilig usw. an, wenn wir eben nicht tun was uns „einfach auf den Leibe geschnitten” ist. Dann sind wir auf der Suche nach dem Puzzleteil, das uns zu diesem Teil der Identität, der Berufsidentität, fehlt. Und dabei ist es völlig gleichgültig, ob es sich beim Identität stiftenden „Beruf” um eine offiziell anerkannte Berufsbezeichnung handelt. Ganz bewusst wähle ich „Hausfrau/Hausmann” als Beispiel. Dies kann ein mit tiefer Befriedigung ausgelebter „Beruf” sein. Natürlich. Genauso „Künstler/Künstlerin”. völlig gleichgültig, ob damit ein Lebensunterhalt bestritten werden kann oder nicht.

„Ich bin nicht…” Ist wesentlich leichter zu sagen. Mit dieser Aussage lässt sich prima „wegputzen” was nicht zu uns passt. Dadurch finden wir so nach und nach, was wir „sind”.

Wobei allein die Annahme „Ich bin” genau genommen das Grundübel selbst ist. Denn mit dieser Identifikation über das Sein, was unsere gesamte Vergangenheit beinhaltet, nehmen wir ein historisches Ereignis- und Umständebündel als uns selbst an. Unser Ego, genau genommen. Damit wollen wir diesem historischen Bild auch zukünftig genügen und verschließen uns vor Vielem. Das mag beruhigend sein und Sicherheit vorgaukeln, bedeutet aber auch viel Schmerz, denn wir halten mit viel Energie aufrecht, was heute gar nicht mehr sinnvoll sein muss. Bloß merken wir das so ohne Weiteres nicht.

Eine starke Berufsidentität gibt Halt im Ozean der (digitalen) Beliebigkeit. Getreu dem Motto: „Ich bin, was ich tue.”

Im Teil 2 sehen wir uns die Chancen für Arbeitgeber im Bezug auf die Berufsidentität an.

Gute Zeit & Beste Grüße!

Jörg Romstötter

Berufsidentität: In jedem Coaching Thema. Auch bei Dir? +49 86 54/ 58 93 404 oder jr@jörg-romstötter.com

 

Meine Hilfestellungen zur Selbstführung und damit zur Führung anderer, erscheinen nicht immer leicht in ihrer Umsetzung. Wobei sie sich gerne offenkundig plausibel, „einfach” und eingängig lesen. Diese Vorgehensweisen, werde in ihrer Umsetzung sowohl als äußerst einfach und äußerst schwierig empfunden. Je nachdem, welche Qualität innere „Arbeit” jemand schon mit sich angestellt hat. Selbstführung beginnt mit der Selbst-Begegnung. Ohne sie ist jede erlernte Vorgehensweise lediglich vordergründiges Tun und funktioniert nur rudimentär: Wir werden als „Tool-Anwender” entlarvt.

Selbst-Begegnung ist ein Stufenprozess: Wer eine „Stufe” erreicht hat, sieht sich unmittelbar mit der nächsten konfrontiert. Wer keine „Stufen” erkennt, ist nicht etwas schon „angekommen” oder gar „fertig”. Der sieht lediglich (unbewusst) von der nächsten Stufe weg. Was natürlich auch völlig ok ist.

Eine der wirksamsten Möglichkeiten zur Selbst-Begegnung und gleichzeitig zur Selbstführung ist seit jeher die Natur. Und dabei im Besonderen das Alleinsein draußen. Sich selbst ein wenig zuhören inmitten der weitenden, klärenden, stärkenden und erdenden Natur, ist ein ganz besonderes Geschenk. Ich wünsche Dir und mir den Mut, dass wir uns dieses Geschenk immer wieder machen.