Psychologie des Müll-Hinterlassens an Sehnsuchtsorten

Höchst interessantes Phänomen: Menschen verzehren sich nach dem „unberührten” Naturidyll, nehmen erhebliche Zeit- und Geldinvestitionen auf sich, zeigen sich auf Fotos (natürlich social-media-verbreitet) überglücklich. Dort zurück an Mutter Erde´s Busen mitgebrachte Nahrungsmittel werden, „Ach, hier draußen schmeckt´s einfach am besten!” genussvoll nicht nur verspeist, sondern auch zuvor bis in höchste Höhen geschleppt. Danach, so möchte man meinen, müsste es, frisch gestärkt und um des verspeisten Inhaltes erleichtert, doch ein Klacks sein, die Verpackung wieder ins Tal und da in den Rohstoffkreislauf (Mülltonne) zurückzuführen.
Denkste! Als würde es die Mutti noch immer geben, die den kleinen Rotznasen von früh bis spät hinterher räumt und wischt und putzt und glanzäugig fasziniert ist von den Unerehblichkeiten mit welchen ihre Kleinen glänzen. Wohl völlig entkräftet vom Verzehr „Flügel verleihender” Nahrung, bleibt den lieben Kleinen, mindestens 18-jährigen Menschenkindern (also vor den Gesetzen der Menschengemeinschaft voll Mündigen) nur, Verpackungen gerade an jenen Orten an Mutter Erde´s Busen sinken zu lassen, den sie ach so sehsuchtsvoll gerne „unberührt” vorfinden.

Was mag sich hinter diesem höchst interessaten Verhalten verbergen?

Vielleicht ein

Besudelungsdrang als Relikt aus einer nicht abgeschlossenen analen Phase?

Zwischen zwei und drei Jahren entdecken wir das Loslassen und Zurückhalten von Kot: Lustvolles Scheißen! Dreckig sein, Herumschmieren mit Rotz, Essen, Dreck und – ja, genau – Kacki! Fein!
Wenn da Mutti (und/oder Vati) zu streng war, dann brauchen wir das „Herumbaazen” ein ganzes Leben in allen möglichen und vor allem unmöglichen Situationen (Saliromanie): Wir werden zu Sauberkeits- oder Ordnungsfetischisten, Pedanten oder Geizhälsen, Außenseitern und Eigenbrötlern. Ganz zu schweigen von gesunder Konflikt- und Kritikfähigkeit, die Mama´s verwehrte Ziele verwirklichende Vergötterte kaum gegeben sein kann.
Reviere abstecken, markieren, wer hier das Sagen (oder den Größeren hat, völlig desinteressiert daran, ob er mit diesem auch wirkungsvoll umzugehen weiß) hat, ist ein typischen Machtgebaren von Menschen, die eben gerade keine Macht haben. Wer Macht hat, hat sie. Er hat sie, weil sie ihm verliehen wurde, ob der zu erwartenden Vorteile für andere. Das ist echte Macht. Alles andere ist ängstliches Krallen nach Sicherheit, letztlich Liebe, die sich durch Macht einstellen soll.

Oder gar die

Revolution!

Müll-Hinterlasser: „Dagegen!”
Fragender: „Wogegen denn?”
Müll-Hinterlasser: „Ja, dagegen eben!”
Fragender: „Schon, nur wogegen denn?”
Müll-Hinterlasser: „Ja, dagegen eben, einfach, weil ich dagegen bin!”
Ohne Witz jetzt: So Leute gibt´s wirklich. Dieses, wenn auch merkwürdiges, dennoch nachvollziehbares Verhalten, habe ich im Beitrag „Rebellion: Die Lust dagegen zu sein gibt Lebenssinn“ auf´s betrachtende Korn genommen.

Vielleicht aber auch nur schlicht ein

Ich-kann-nur-von-12-bis-Mittag-Denken-Phänomen?

„Wer auch immer in 40 Jahren auf diesem Planeten mit seinen Kindern und Kindeskindern glücklich und gesund leben will, soll das gerne tun. Wir heute Um-die-20-Jährigen sind das ja auf keinen Fall!” (Achtung Ironie!)

„Hinter uns räumt ja die Müllabfuhr zusammen. Das ist überaus sinnvoll, denn damit werden Arbeitsplätze erhalten, die wir so gerne aus unserem Steuersäckel bezahlen. Bloß das dürfen keine Menschen mit Migrationshintergrund sein, denn die nehmen uns ja die von uns selbst so begehrten (Müll-aufheb-)Abeitsplätze weg.” (Achtung, nochmal Ironie!)

Vielen Dank, lieber Leser, dass Du selbstredend gerne Deinen gesamten Müll – und das wäre oberhammersupergeil!!! – auch den von „Vergesslichen“ aus der Natur in die Tonne beförderst. Und noch besser: erst gar keinen Müll machst.

Ein riesengroßes Vergelt´s Gott! Wir werden es uns alle einmal danken.

 

Gute Zeit & Viele Grüße!

Jörg Romstötter

 

Meine Hilfestellungen zur Selbstführung und damit zur Führung anderer, erscheinen nicht immer leicht in ihrer Umsetzung. Wobei sie sich gerne offenkundig plausibel, „einfach” und eingängig lesen. Diese Vorgehensweisen, werde in ihrer Umsetzung sowohl als äußerst einfach und äußerst schwierig empfunden. Je nachdem, welche Qualität innere „Arbeit” jemand schon mit sich angestellt hat. Selbstführung beginnt mit der Selbst-Begegnung. Ohne sie ist jede erlernte Vorgehensweise lediglich vordergründiges Tun und funktioniert nur rudimentär: Wir werden als „Tool-Anwender” entlarvt.

Selbst-Begegnung ist ein Stufenprozess: Wer eine „Stufe” erreicht hat, sieht sich unmittelbar mit der nächsten konfrontiert. Wer keine „Stufen” erkennt, ist nicht etwas schon „angekommen” oder gar „fertig”. Der sieht lediglich (unbewusst) von der nächsten Stufe weg. Was natürlich auch völlig ok ist.

Eine der wirksamsten Möglichkeiten zur Selbst-Begegnung und gleichzeitig zur Selbstführung ist seit jeher die Natur. Und dabei im Besonderen das Alleinsein draußen. Sich selbst ein wenig zuhören inmitten der weitenden, klärenden, stärkenden und erdenden Natur, ist ein ganz besonderes Geschenk. Ich wünsche Dir und mir den Mut, dass wir uns dieses Geschenk immer wieder machen.