Den Dingen Seele geben

Alles perfekt, alles schick, alles neu. Schafft eines nicht. Besser gesagt verhindert eines: den Dingen Seele geben.
Dies ist freilich nicht im religiösen Sinne gemeint. Auch will ich kein „Ding“ überhöhen und ihm Eigenschaften oder Macht andichten, welche es nicht besitzen kann.
Nur können wir es uns auch hier wieder um ein Vielfaches einfacher machen, wenn wir uns mehr Bewusstheit erlauben.

Bei allen Erlebnissen, bei allen Erfahrungen sind Dinge beteiligt. Damit verbinden wir Prägendes mit diesen Dingen. Sie werden zu Andenken. Wir sehen die Dinge an und „denken an“ etwas. Denn diese Dinge waren bei Erlebnissen, Ereignissen dabei und haben durch ihre Funktionalität, durch den Flair den sie verbreiten, zur Gestaltung der Szenerie beigetragen. Das verleiht den Dingen Seele.

Da wird eine Jacke mit Selbstverständlichkeit getragen, obwohl sie schon seit Jahren völlig aus der Mode ist und auch teilweise ihre Funktion nicht mehr erfüllt.
Ein Stift verwendet, obwohl er längst abgegriffen ist.
Eine Tasche bewahrt seit Jahrzehnten was man mit sich führt, obwohl sie vielleicht schon recht unansehnlich ist. Ein Tausch ist undenkbar.
Ein altes Auto wird gefahren, obwohl es weder ökonomisch, ökologisch noch sicherheitstechnisch Sinn macht.

Diese Dinge haben eine eigene Aura durch die Erlebnisse die wir mit ihnen verbinden. Sie haben einen eigenen Geruch. Sind unverwechselbar geworden. Berühren wir sie, spüren wir gelebtes Leben. Sie scheinen sich geradezu gefällig in unsere Hand zu schmiegen und uns an gemeinsam Erlebtes zu erinnern.

Das ist doch schön. Das sind die Anker der Seele. Die Seele blickt auf diese Dinge und freut sich. Das Herz macht einen Hüpfer. Die Augen bekommen Glanz und der Blick schweift in die Ferne.
Man sieht sich plötzlich im Hier und Jetzt aus einer entfernten Position (Meta-Ebene). Man sagt sich: „Stop. Erstmal durchschnaufen und schauen; genießen.“ Das hilft uns eher Objektivität und gesunde Relativität zu wahren. Plötzlich müssen wir nicht mehr jedem neuen Hasen nachjagen.
Lassen Sie es zu, dass Sie Gefallen an „Ihren“ Sachen haben. Jahre lang. Lassen Sie sich nicht von Marketingversprechen verführen. Immer neu hilft meist nur dem der es verkauft.

Wie wir zu den Dingen stehen zeigen wir uns am einfachsten selbst, wenn wir allein sind und uns die Erwartungen anderer nicht erreichen. Wenn wir uns für Momente nur frei machen von dem was wir meinen andere erwarten von uns.

Haben Sie einen Gedanken zum Beitrag? Dann freue ich mich auf Ihren Kommentar!

Alles Gute!

Ihr

Jörg Romstötter