In sich ruhen wäre schön – und wichtig. Uns fehlen Natur und Sippe.

Eltern im permanenten Katastrophenmodus erschafft Firmen im permanenten Katastrophenmodus.
Ohne genügend Zeit für sich selbst, am besten in der Natur, verliert man den Blick für´s Wesentliche. 

Hier meine Ergänzung zu Dr. Winterhoffs Interview in KiNDER, Ausgabe März 2014.

Dr. Michael Winterhoff, Mediziner und Psychotherapeut, ist Spezialist auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendpsychatrie. Er ist Bestsellerautor mit dem Titel „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ und hat im letzten Jahr mit „SOS Kinderseele“ nachgelegt.
Er wirft ein drastisches Bild auf viele Kinder: Egomanen ohne Frustrationstoleranz, Unrechtsbewusstsein und Empathie. Doch Schuld daran sind nicht die Kinder, sondern deren Eltern.

Auch die Eltern haben nur bedingt Schuld daran, denn sie selbst sind Produkte einer bereits sehr Sippenschwachen Generation. Sie wurden selbst in winzige Mama-Papa-Kind-Kleinstfamilien geboren und sind viel zu oft Scheidungskinder. Der Mensch ist ein soziales Wesen, der innigen Kontakt mit anderen Menschen braucht. Masse ist zwar hilfreich um den Umgang mit vielen Charakteren zu erlernen. Nichts geht jedoch über Klasse und die kann nur eine stabile Sippe bieten. Ein Clan mit Großeltern, Tanten und Onkeln, Cousins und Cousinen, Paten und was sonst noch dazu gehört.

Der Mensch lebte Zeit seiner gesamten Entwicklung in solchen Sippen, in Stämmen. Bei allem schwingt der Unwille gegenüber vorgegebenen Strukturen und Denkweisen mit. Von sippischem Zwang sind wir – Gott sei Dank! – heute gelöst. Nur können offensichtlich die Wenigstens damit auch etwas anfangen. Heute herrscht der Zwang von Fortschritt, Hochleistung und Konsum ohne dass das Individuum sich in Strukturen wohl fühlen kann die fordern und fördern. Die wirklich, auch emotional, da sind wenn es einem einmal dreckig geht. Das schafft nur die Familie.
Betrachtet man dies, so ist unsere heutige Zeit der digitalen Kommunikation eine archaisch grausame. Nur wer astrein funktioniert darf mitmachen. Ob er es durchhält ist jedem egal.

Wir haben und davon entfernt, jeden als wichtig zu erachten.

Jeder ist nur so gut wie ihn die Gemeinschaft mit seinen Fähigkeiten aufnimmt. Das größte Genie verendet kläglich, wenn es nicht erkannt und gefördert wird. Jede erkannte und entwickelte Berufung ist für die Gemeinschaft Gold wert. Die Sippe, der Stamm hatte allergrößtes Interesse, dass jeder zur Geltung und Verwertung brachte was in ihm steckte. Rohrkrepierer konnte man sich einfach nicht leisten.

Heute gibt es keine Sippe mehr, die sich darum gekümmert hat, jedes Berufung, jedes größte Talente zu entdecken und zu entwickeln. Man sich selbst überlassen. Nur das kann man alleine nicht. Da braucht es den Schleifstein Sippe.

Der Fortschritt hat uns die Sippe genommen. Wer gibt uns Vergleichbares wieder? Die Kleinstfamilie kann das nicht leisten, wie Herr Dr. Winterhoff bestätigt: „Eltern wissen nicht mehr was sie wollen im Leben.“ Auch, weil viele Eltern sich permanent in einem „Katastrophenmodus befinden und das ganz Leben als krisenhaft empfinden.“

Eltern sind Mitarbeiter und Führungskräfte

Hoppla! Da wird schnell die kollektive Verantwortung für dieses Phänomen klar. Wer es zu hause schon nicht auf die Reihe bekommt, wie mag er oder sie dann im Job wohl sein?
Wer im Job angeblich so brillant ist, weshalb versagen dann seine Menschen-Führungs-Strategien dann zu hause kläglich?

Das größte Interesse an Menschen die ihre Talente zur Geltung bringen haben Staat und Wirtschaft. Nur bieten diese emotionale Strukturen? Wohl kaum.
Wir müssen zu einer viel Menschen gerechteren Talententwicklung, die viel breiter angelegt sein muss als nur nach dem zu suchen was die Wirtschaft gerade am dringendsten braucht. Jedes Talent kann wirtschaftlich verwertet werden, wenn Unternehmen lernen Talent-vernetzt zu denken.

Unternehmen müssen heute Sippe ersetzen

Unternehmen müssen zu Stämmen werden, denn früher waren Stämme nichts anderes als Familienunternehmen. Das heißt Zusammenbleiben in guten wie in schlechten Zeiten. Sich gegenseitig sagen wohin es gehen soll.

Die digitale Kommunikation hat uns das Ruhen in uns selbst genommen. Meine eigene Beobachtungen und Empfehlungen decken sich mit der Dr. Winterhoff´s. Die meisten halten Ruhe und mit sich selbst sein überhaupt nicht mehr aus:

„Zum Beispiel bei einem stundenlangen Spaziergang im Wald.“

Dass Natur die Erholung sowie den emotionalen Abstand zu den Dingen fördert, ist zwar weithin bekannt, doch nutzen wir die riesige Ressource Natur nicht mehr. Wir meinen allen Ernstes, wenn wir durch den Stadtpark spaziert sind, mit dem Fahrrad einem Fluss entlang geradelt, auf einer Berghütte eingekehrt oder Ski gefahren sind, waren wir in der Natur.
So ist die Natur reiner Erholungsort, der unbestritten, ein besonders tiefgreifende Erholung ermöglicht.
Weiß man das, kann man schon erahnen, wie viel einem Natur geben kann, hält man sich allein in ihr auf. Das nutzten unsere Vorfahren über viele tausend Jahre.

Nur die Natur kann aber weit mehr als uns in unserer Erholung zu unterstützen. Sie kann, richtig genutzt, zur wahren ErfolgsRessource werden. Denn nirgends können wir so unbelastet zu uns selbst finden und kreative Ideen entwickeln wie in der Natur.
Wer zu sich selbst findet, der ruht in sich. Der weiß was er will. Und wer weiß was er will ist selbstbewusst – die wichtigste Voraussetzung für Kreativität.

Das nützt direkt der Wirtschaft und dem Staat.
Denn das macht die Menschen zu dem was sie sind: Wesen die mit ihren Talenten wuchern wollen.
Wir brauchen Natur und Stamm.

Wir sollten mal über die Situation in Eurem Unternehmen genauer sprechen? Melde Dich gerne!

Gute Zeit und Beste Grüße!

Jörg Romstötter 

PS:  Dem Thema „Unternehmen die neuen Stämme“ habe ich im Buch „Das vergessene Wunder“ einen Bereich gewidmet. Dort erfährst Du auch mehr.