In Fleisch und Blut. Wir sind unsere Erinnerungen.

Musiker und Sportler üben bis sie selbst Eins sind mit ihrer Musik, mit ihren Bewegungen. Bis Musik und Bewegung aus ihnen herausbricht ohne dass sie darüber nachdenken müssen. Sie rufen mit unglaublicher Grazie Programme ab, die mit beinahe erschreckender Präzision ablaufen.
„Ich denke also bin ich.“ Empfand sich der Philosoph René Descartes. Und mit seiner Empfindung lag er richtiger als mit seinem Postulat. Denn wir denken nur mit dem kleinsten Teil unseres Gehirns. Mit dem größten Teil unseres gesamten Körpers empfinden wir. Und in diesem „Empfindungsgehirn“ ist alles – richtig gelesen – absolut alles gespeichert was wir unser gesamtes Leben erlebt haben. Der Philosoph und Psychiater Thomas Fuchs wählte dafür die Bezeichnung „Leibgedächtnis“. (aus GEO 02.2013 „Das Gedächtnis des Körpers“)
Der Mensch kann nicht vergessen. Nichts. Niemals. Er kann zuschütten und verdrängen.
Doch kleinste Auslöser genügen um Vergrabenes lebendigst wieder zum Vorschein zu holen. Jeder kennt das.
Wir leben also so wie uns unsere Erinnerungen beeinflussen. Wir sind unsere Erinnerungen.

In Fleisch und Blut: unsere Erinnerungen

Moderne Managerratgeber raten auf den Bauch zu hören. Bauchgefühl und Gedanken in Einklang zu bringen. So sind Entscheidungen richtiger und wirkungsvoller. Uraltes Wissen. Der Mensch tut seit jeher nichts anderes.
Überholt hat sich der Glaube mit Technik und Ratio lasse sich die gesamte Welt, das gesamte Leben erklären, verstehen und regeln. Das Gegenteil ist wahr. Nur was wir in Fleisch und Blut haben, regelt unser Leben. Der Verstand gleicht ab und sammelt neues Erfahrungswissen.
Wir sind also viel körperlicher als es gesellschaftsfähig ist.
Nur leider kann unsere rationelle Geschäftswelt damit wenig anfangen. Schade eigentlich, denn welch gigantisches Potential schlummert in all den Lohnsklaven, die sich unwillig in die Arbeit schleppen! (Gallup: über 80% der deutschen Arbeitnehmer machen Dienst nach Vorschrift oder haben innerlich gekündigt)

Verknöchert erscheinen so Viele, wenn man ihre Bewegungen verfolgt. Bleiben Sie einmal in der Fußgängerzone stehen und beobachten Sie die Leute. Wer geht leicht und mit Gefühl? Geschmeidig? Da müssen Sie lange beobachten, nicht wahr?
Unterdrückung der eigenen Gefühle von Kindesbeinen an kann zu „Gefühlsblindheit“ (Alexithymie) führen. Der Unfähigkeit Gefühle anderer richtig zu deuten. Jeder Zehnte in Deutschland leidet daran.  (ebenfalls aus GEO 02.2013 „Das Gedächtnis des Körpers“)

Bisher schrieb ich nur vom aktuellen Leben das jeder Einzelne gerade führt. Nur was schlummert alles in uns „körperlich gespeichert“? (Siehe Beitrag: „Voll normal. Oder irren ist menschlich.“) Was wir unseren Kindern vererben, was wir selbst von unseren Eltern geerbt haben, das erkennt man recht einfach. Welches gigantische Wissen muss von all unseren Vorvätern und Vormüttern an uns weitergegeben worden sein?
Es lässt sich im Ratio nur erahnen. Im Fühlen lässt es sich erleben und begreifbar machen. Nur dazu muss man raus aus der Welt des Ratio und rein in die Welt des reinen Seins. Rein in die Natur. Rein in die Erinnerungen.

Alles Gute!

Ihr

Jörg Romstötter