Das Erfolgs-Trio im agilen Führen: Sehnsucht, Vertrauen und konkretes Handeln. 7 Hebel

Ohne Vertrauen läuft in der agilen Welt nichts. Sehnsucht allein, macht nur schöne Gedanken. Handeln allein, wird irgendwann als Sinn-los entlarvt. Erst die bewusste Kombination aus Vertrauen, Vision (Sehnsucht) und Aktion führt in agilen Arbeitsstrukturen zum Erfolg. Garantiert?!

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.”
Für Antoine de Saint-Exupéry und seine Aussage breche ich eine Lanze: Ich werde mit einem Team nur Tatsachen schaffen können, wenn die Teammitglieder eine Befriedigung ihrer Motive/ ein Erreichen ihrer Ziele greifbar wittern. Wenn sie erleben, dass durch ihre Handgriffe etwas Wertvolles für sie und andere entsteht.

Ausritt in die innere Haltung

In diesem Beitrag reite ich bewusst auf der inneren Haltung herum. Deshalb, weil sie die unabdingbare Voraussetzung ist, um agil führen und arbeiten zu können. Die Tools der agilen Arbeitsorganisation sind dann recht plausibel und griffig. Welche(s) davon dann für die eigene Organisation stimmig ist, ist dann vergleichsweise leicht. Auch wenn die Umsetzung durchaus Zeit, Ausdauer und Konsequenz erfordert und mitunter alles andere als einfach ist.

1. Hebel: Vertrauen!

Die Unternehmensleitung kann gar nicht oft genug, dezidiert genug und differenziert genug das große Ganze, das Ziel, die Vision, Mission – wie auch immer! – vermitteln: „Never underestimate the Big-Picture!” Diese Vorhaben gehören diskutiert und von allen Seiten beleuchtet. Sie gehören so bereitet, dass sie jeder gerne „frisst”. Mitstreiter brauchen Überblick und Durchblick, sonst entsteht Mißtrauen.

„Vertrauen ist die Basis jeglichen Miteinanders.”

Wir können nur Vertrauen haben, wenn uns etwas vertraut ist. Wenn wir uns blind darauf verlassen können, dass jemand ein erwartetes Verhalten zeigt. Da der Fisch am Kopf stinkt und auch genau dort duftet, ist die Führung gefragt Ver-antwortung zu übernehmen und Antworten zu liefern. Antworten, die weniger der bewusste Geist, als vielmehr unser scharf witterndes Unbewusstes wahrnimmt: „Vertraue ich dem?”

Was kann und sollte man tun, wenn „das Große Bild” einfach nicht greifbarer wird? Es gibt Mittel und Wege, wie sich an Erfolgen, am Tun und an unbewussten Absichten herauslesen läßt, wohin die Reise bereits geht. Dazu bedarf es genauerer Forschungsarbeit, die in einem Artikel nicht gemeistert werden kann.

Falle Flachschürfen: motiviertes Tun folgt immer einer Sehnsucht

„Sehnsucht”, so würden Faktenfokussierte Erfolgs-Jäger nur selten das Gefühl bezeichnen, das sie so unbändig antreibt. Sie „wollen was erreichen”, haben „einfach Bock drauf”, sind „neugierig” usw. Hinter diesen bewusst erkannten Motiven, sich überdurchschnittlich zu engagieren und auch was zu riskieren, verbirgt sich immer eine tiefere Lücke/ Kapazität/ Traumzustand, letztlich Suche nach Anerkennung (=Liebe). Diese Suche nach einem „Idealzustand” wird eben nun mal als Sehnsucht bezeichnet. Auch wenn damit landläufig vielleicht der urlaubs-schmachtende Blick auf Postkarten-Sonnenuntergänge gemeint ist.
Ob jemand diesen Drang, etwas zu erreichen als „Sehnsucht” bezeichnet, sei dahin gestellt. Letztlich „sucht” er durch sein Tun etwas zu „Sehen”. Also einen Zustand zu erleben, den er im wahrsten Wortsinn sehen kann.
Übrigens: Was ist denn so schlimm dran, sein tägliches Tun entlang seiner tiefsten Bedürfnisse auszurichten? So etwas nennt man auch „das Leben anpacken”, „aus sich selbst heraus zu leben”, „Ecken und Kanten zu haben”, „Eier haben”, „sein Talent zu nutzen wissen”, „sich selbst treu sein” usw.

Es muss ja nicht gleich eine Vision á la Bill Gates sein

„In jedem Wohnzimmer ein PC”. So sah Bill es seinerzeit vor seinem inneren Auge. Doch nicht nur so hochtrabende Ziele sind es wert Vision genannt zu werden. Gerade heute entstehen „kleine” feine Konzepte, welchen allein eine Definition über Masse zu wenig ist. Höchst interessant, denn so vordergründige Motive wie „mein Ding machen”, „Freiheit”, „Unabhängigkeit”, „mein eigener Herr sein”, „Kohle baggern” erfüllen sich mit ihnen automatisch.

2. Hebel: Nur die Haltung macht den Erfolg!

Das erlebe ich täglich als Wirtschafts-Coach: Völlig gleichgültig, ob ein alter Haudegen seit über drei Jahrzehnten regiert oder ein Jungunternehmer sein Start-up hochreißt. Ob ein Selbständiger mit interessantestem Tun mehr verdient als die meisten Führungskräfte, ob ein Geschäftsführer eine „Bude” höchst rentabel rockt oder ein CEO einen Koloss von Unternehmen für Gesellschafter lenkt: Ist das Tun Ausdruck der inneren Gewissheit, folgt der Erfolg.

Identisch ist das Erfolgsmuster auf der Fachebene

Ob es der Ingenieur oder Master of …, der Meister oder Facharbeiter, ja der Hilfsarbeiter ist. Hat derjenige „sich gefunden” und kann sagen „Ich bin…”, dann geht es für ihn unweigerlich Richtung Erfolg.

Andere wittern klar, wenn wir nicht mit uns im Reinen sind: Sie mißtrauen uns.

Wer im Außen umsetzt, wonach sich sein Inneres streckt, wirkt authentisch und souverän. Wer mit sich hadert, zeigt subtil seinen inneren Konflikt, wodurch ein nicht vorhersehbares Verhalten entsteht. Auf einer kaum erklärbaren Weise wird uns mißtraut. Wir Menschen sind hervorragende Spürnasen für Ungereimtheiten. Das leiseste Zaudern erzeugt bei anderen Zweifel, Bedenken, Befürchtungen, Unsicherheiten usw.. Dies äußert sich in Spitzfindigkeiten und kann sich zu handfesten Widerständen entwickeln, die dann mühevoll aufgedröselt werden müssen. Einfach deshalb, weil sich dann Denk- und Handlungmuster schon über gehörige Zeit festgesetzt haben.

Auch wenn das noch lange nicht bedeutet, jeglicher Herausforderung erhaben zu sein.

Allein schon deshalb, weil andere, die eben nicht mit sich im Reinen sind, (meist völlig unbewusst) Sich-selbst-Treue torpedieren und sich deren Scheitern wünschen. Einfach, weil sie dann im Scheitern nicht mehr allein sind und sie sich in ihrer Angst-Ecke ausruhen können: „Dem eigenen Weg zu folgen ist doch nur mühsam und nicht erfolgreich.” Irgendwie verrückt, doch trotzdem wahr. Doch gerade sie sind wertvolle Prüfsteine an welchen wir wachsen können.

3. Hebel: „Das Ziel ist kein Punkt, sondern ein ganz bestimmter Bereich des Horizonts.”

Ist Erfolg garantiert?

Das kommt auf die Sichtweise an, was wir als „Erfolg” definieren. Agil heißt auch, den optimalen Kundennutzen ohne Umschweife Realität werden zu lassen, ohne vorrangig gewachsenen Strukturen und Abläufen zu folgen. Kombiniert mit der Berücksichtigung der oben genannten Zielfindung im bestimmten Bereichs des Horizonts, führt agiles Tun immer zum Erfolg. Erfüllen wir mit unserem Wirken die (bewussten und/oder unbewussten) Wünsche unserer Kunden, können wir nur erfolgreich sein. Nageln wir uns selbst auf exakte Ziele fest, die wir einzig und allein als „Erfolge” gelten lassen, ist ein Scheitern deutlich möglicher.

Allein unser Kunde zahlt unser Einkommen.

Wir dagegen verhelfen unserem Kunden zu seinem Einkommen. Herzlich willkommen in der Realität! Dies zu begreifen ist keine Selbstverständlichkeit. Immer wieder erlebe ich es, dass sogar junge, „studierte Leut´” sagen: „Ist eh das Geld von meinem Chef.” oder „Ist eh die Zeit vom Chef.” Wenn sie fragwürdige/ überhöhte Kosten oder ihre Arbeitszeit meinen. Puh, da steht uns als Gesellschaft noch ein weiter Weg bevor.

Gerne liegt der „Erfolg” just am Rande unseres Weges.

Wir müssen die Erfolgszeichen nur wahrhaben wollen. Vielleicht wird das Ziel einen Superkleber herzustellen weit verfehlt, stattdessen entsteht ein nur Papierzettelchen haltender Kleber. Doch das Zettelchen lässt sich beliebig oft abziehen und wieder aufkleben: Voilà, so wurde das Post-it geboren.

Was ist schon „Erfolg”? In meinen Augen: Auf Deine eigene Weise leben zu können.

Was allerdings diese „eigene Weise” ist, ist die Gretchenfrage. Frohes Finden! (Hier ein kleiner Tipp.)

 

Die folgenden vier Hebel bewähren sich immer wieder, um die eigene Kongruenz zu prüfen und andere ins Boot zu holen. Ich zeige sie nur kurz, da ich sie bereits an anderer Stelle genauer beschrieben habe. Siehe den jeweiligen Link dazu.

4. Hebel: Herausfordern

„Ich glaube uns nicht, dass wir so gut sind! Ich will Beweise! Woran erkennen wir, dass wir tatsächlich so gut sind, wie wir meinen? Wer kann uns Feedback geben? Gibt es sinnvolle Benchmarks? Welche Maßstäbe wollen wir morgen setzen, vor denen wir heute zittern?”
Hier ein Beitrag, der richtig Lust am Auftrag-Geben macht.

5. Hebel: Ohne Vorbild nix los

Ist die Vision, die der Anstifter unter seinen Leuten verbreitet, auch stimmig zu seinen eigenen Motiven (und er hat kein Selbstwert- bzw. Anerkennungsthema, das sich durch Machtstreben zeigt), wird er selbst tatkräftig zulangen, wo er seine Talente am wirkungsvollsten sind. Er wird seinen Leuten Feedback geben, wenn er unsinniges oder unnötig kompliziertes Tun entdeckt (Natürlich exploriert durch Fragen!). Er wird Streit schlichten und helfen wo Not am Mann ist. Vor allem wird er sein Leute schützen, damit sie sich voll ihre Arbeit konzentrieren können. Denn er weiß, wie genau er von jedem einzelnen beobachtet wird. Hier ein Beitrag zur sozialen Rolle.

6. Hebel: Freie Hand für freie Hirne

Wir schreiben niemandem vor, was er zu tun hat. Die Leute werden sich – je nach Talent und Motiven – nehmen, was sie am besten können (Pull-Prinzip). Und wenn da jemand einem Irrtum aufsitzt, dann wird Team oder Führungskraft eher früher als später intervenieren. Und was ist mit den Fehlern? Apropos Fehler: Was sind Fehler genau? Diesem Komplex nähern wir uns im Beitrag „Gibt es so etwas wie „Fehler” tatsächlich?”

Auch dieser Beitrag zur Änderung der Einstellung ist eine gute Ergänzung.

7. Hebel: Ängste würdigen

Es zeigt sich, dass es weitaus schneller und geschlossener voran geht, wenn auf Ängste wirklich und klärend eingegangen wird. Dann erst ist der Weg frei für wahre Leistungsfähigkeit. Hier geht´s zur Angst-Bewältigung.
Auch in diesem Zusammenhang interessant: Selbstwirksamkeitserwartung: Stellrad für die Zukunft, Werte: die Schätze unserer Identität, Disziplin Teil 1, Disziplin Teil 2

 

Gute Zeit & Viele Grüße!

Jörg Romstötter

 

Meine Hilfestellungen zur Selbstführung und damit zur Führung anderer, erscheinen nicht immer leicht in ihrer Umsetzung. Wobei sie sich gerne offenkundig plausibel, „einfach” und eingängig lesen. Diese Vorgehensweisen, werde in ihrer Umsetzung sowohl als äußerst einfach und äußerst schwierig empfunden. Je nachdem, welche Qualität innere „Arbeit” jemand schon mit sich angestellt hat. Selbstführung beginnt mit der Selbst-Begegnung. Ohne sie ist jede erlernte Vorgehensweise lediglich vordergründiges Tun und funktioniert nur rudimentär: Wir werden als „Tool-Anwender” entlarvt.

Selbst-Begegnung ist ein Stufenprozess: Wer eine „Stufe” erreicht hat, sieht sich unmittelbar mit der nächsten konfrontiert. Wer keine „Stufen” erkennt, ist nicht etwas schon „angekommen” oder gar „fertig”. Der sieht lediglich (unbewusst) von der nächsten Stufe weg. Was natürlich auch völlig ok ist.

Eine der wirksamsten Möglichkeiten zur Selbst-Begegnung und gleichzeitig zur Selbstführung ist seit jeher die Natur. Und dabei im Besonderen das Alleinsein draußen. Sich selbst ein wenig zuhören inmitten der weitenden, klärenden, stärkenden und erdenden Natur, ist ein ganz besonderes Geschenk. Ich wünsche Dir und mir den Mut, dass wir uns dieses Geschenk immer wieder machen.